Sonntag, 7. Januar 2018

Der perfekt gescheiterte Übernachtungsversuch!


Für mich war von Beginn an klar: Meine Kinder werden erst dann bei den Großeltern übernachten, wenn sie es selbst so wollen. 
Nicht, weil wir als Eltern einen freien Abend wollen oder die Großeltern so gerne ihre Enkel bei sich hätten. Nicht, wenn es meine Kinder nicht selbst möchten. Dies soll die Entscheidung meiner Kinder sein. Sie müssen bereit dafür sein.


Bei meinem Sohn war es mit knapp 2,5 Jahren soweit. Ich berichtete damals auch darüber. Zuvor war der Wunsch auch schon bei ihm da, aber immer wieder entschied er sich dagegen, wenn ich ihm verdeutlichte, dass ich am Abend zum Einschlafen nicht da sein werde. Erst an diesem einen Tag mit knapp 2,5 Jahren war er sich sicher: "Ich schaffe, dass auch ohne meine Mama. Mit der Oma wird das auch klappen. Immerhin klappt es Mittags auch." So ähnlich waren vielleicht seine Gedanken an diesem Tag. Und tatsächlich, der Sohn übernachtete bei der Oma und zukünftig jeden Mittwoch und auch bei den anderen Großeltern, die etwas entfernt wohnten, übernachtete der Sohn bald und meist sogar ein ganzes Wochenende. In den Sommerferien des Kindergartens freut sich der Sohn nun immer auf eine Woche bei den einen und eine weitere Woche bei den anderen Großeltern. Er fühlt sich sehr wohl bei seinen Großeltern und das merkt man auch, eigentlich bekommt man ihn kaum wieder nach Hause. Manchmal fühlen wir uns als Eltern sehr abgeschrieben, aber wir freuen uns auch, dass das Verhältnis Großeltern/Enkel so wundervoll ist. 

Genauso geht es nun auch der kleinen Tochter. Nachdem sie nun sehr lange benötigte noch andere Bezugspersonen neben mir zu akzeptieren, ist sie nun sehr gerne bei den Großeltern und möchte sie um sich haben. Der Übernachtungswunsch steht auch bei ihr schon eine Weile im Raum, aber immer dann, wenn ich ihr mitteilte, dass ich zum Einschlafen nicht da sein werde, blieb sie bei mir. 

Ich möchte noch erwähnen, dass beide Kinder immer mitwollten, wenn die Großeltern nach einem schönen Tag nach Hause fuhren. Es ging zunächst nie um das dort übernachten, auch wenn das gerne in das Verhalten der Kinder interpretiert wird. Die Kinder wollen aber eigentlich nur, dass die Großeltern nicht gehen sollen. Es geht nicht um das Übernachten, so vorrausschauend können sie lange Zeit garnicht sein. Ihnen daher bewusst zu machen, was Übernachten wirklich bedeutet, finde ich deswegen sehr wichtig.

Nun ist die Tochter gerade 2 Jahre alt geworden und meine Elternzeit ist vorbei. Ich gehe wieder halbtags arbeiten und meine Tochter wird vormittags von meiner Mama betreut. An einem dieser Tage wollte der Papa sie abholen, aber die Tochter wollte nicht mit, sie wollte dort bleiben und auch der Hinweis, dass am Abend keine Mama zum Einschlafen dabei sein würde, brachte sie nicht davon ab, bei der Oma bleiben zu wollen. OK, warum also nicht. Sie war sehr überzeugt und schien bereit dazu. Immerhin klappte nun auch der Mittagsschlaf bei der Oma schon sehr zuverlässig.

Als mein Mann davon berichtete, hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Meine kleine Tochter! Sie war doch erst zwei Jahre alt und ich hatte sie im Grunde den ganzen Tag nicht gesehen, ich war schon früh aus dem Haus und würde sie dann erst am nächsten Tag mittags wieder sehen, wenn sie wirklich übernachten würde. Ich musste schon sehr schlucken und mein Mann sagte dann, wenn ich es nicht wollte, dann soll ich sie doch noch abholen. Aber das wollte ich doch auch nicht! Ich wollte meiner Tochter nicht vermitteln, das an ihrer Entscheidung etwas falsch wäre bzw. ich ihre Entscheidung nicht akzeptiere und sie übergehe.

Ich saß also Zuhause und war unruhig, aber auch zuversichtlich. Meine Tochter hat entschieden und falls es nicht klappt, dann holen wir sie eben ab. So einfach ist das!
Meine Mama berichtete mir später, alles verlief sehr entspannt. Sie machte beide Kinder bettfertig, Zähneputzen, waschen, umziehen, ab ins Bett. Sie las eine Geschichte vor und las und las und las und wunderte sich immer mehr, dass sie so lange vorlesen konnte und beobachtete ihre kleine Enkelin ganz genau. Diese wirkte immer mehr, als ginge sie in sich und würde überlegen. Sie betrachtete ihre Händchen und schien der Geschichte garnicht zu folgen und plötzlich gingen die Mundwinkel nach unten und dann kam es: "Mama! Mama!" 

Da wurde ihr wohl bewusst, die Mama ist wirklich nicht da und eigentlich will sie doch noch garnicht ohne Mama schlafen und meine Mama reagierte direkt und rief uns an. So würde das heute nicht funktionieren. Das Vermissen war noch zu stark und setze abrupt ein. Mein Mann holte unsere Tochter ab und man merkte wie glücklich sie war, wieder Zuhause zu sein. Ich ging mit ihr ins Bett, stillte sie und sie schlief seelig ein.

Dieser Übernachtungsversuch war gescheitert! Perfekt gescheitert! Die Tochter hatte an diesem Tag vieles gelernt und für sich mitnehmen können! Sie durfte eine eigene Entscheidung treffen! Ihr wurde nichts ausgeredet! Und sie durfte sich umentscheiden! Sie durfte erfahren, ihre Oma hörte auf sie und ihre Eltern kommen sofort, wenn sie diese braucht!

Ich bin sehr gespannt, wann die Tochter wieder den Wunsch äußert übernachten zu wollen oder ob sie für sich selbst abgespeichert hat, dass sie die Mama doch noch zum Einschlafen braucht und sich nun noch eine Weile Zeit lässt.

Sind unsere Kinder noch so klein, sie können Entscheidungen treffen und wir sollten ihnen diesen Raum, mit ihren wachsenden Möglichkeiten, dafür auch geben. Natürlich werden sie auch Entscheidungen treffen, deren Ausgang ihnen doch nicht gefällt oder "falsch" waren. Aber falsch ist hier nicht das richtige Wort. Denn mit jeder gemachten Entscheidung lernen sie auch, wenn wir Erwachsene sie dabei begleiten und sie unterstützen. So wächst das Vertrauen in die Bezugspersonen und in sich selbst. Vertrauen, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, die eigene Stärke! 

Und das, durch einen (perfekt) gescheiterten Übernachtungsversuch!


Kommentare:

  1. Danke für deinen Bericht. es ist wirklich toll, dass eure Kinder diese Erfahrungen machen können und ihr sie darin bestärkt, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
    Liebe Grüße und Danke für deine Inspiration in vielerlei Hinsicht, Hilde

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  2. Sehr schön. Dazu braucht es eben auch die passenden Großeltern, die dann nicht versuchen was zu erzwingen und die Grenzen des Kindes akzeptieren. Schön das ihr die habt.��
    Meine warn schon beleidigt das ich das (vollgestillte) Kind mit 4 Monaten nicht mal zum schlafen dalassen will ... Sie hatten es bis dahin vielleicht 10 Mal gesehen. Aber ich will ja gar keine Hilfe...��
    Auf dass diesen Bericht viele Großeltern lesen und mal drüber nachdenken...

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  3. Hm, für mich klingt es so, als ob die Mama nicht bereit ist zum Abgeben. Wenn ich meinem Kind die ganze Zeit mitteile, das ich nicht da bin, was soll dann anderes passieren? Wenn ich sage, das der Bruder sogar dabei ist und Oma/Opa, dann kommt das doch viel positiver rüber. Oder einfach gar nichts sagen, dann dürfen die Kinder wirklich selber entscheiden. :)
    Viele Grüsse

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