Dienstag, 31. März 2015

Umgang mit dem Tod

Nadine von Buntraum hat einen Artikel "Wenn der Tod zum Thema wird" geschrieben und auch darüber berichtet, wie ihr selbst der Tod als Kind nahe gebracht worden ist oder auch nicht... und wollte von ihren Lesern wissen, wie sie selbst damit umgehen bzw. es ihren Kindern näher bringen.

Ich selbst habe diesen Punkt unseres Lebens schon länger auf meinem Notizzettel stehen, denn auch hier war der Tod schon öfters präsent und unser Sohn hat dies auch in seinen recht jungen Jahren schon in Teilen erfassen können und miterlebt.

Wie erkläre ich Kindern den Tod? Diese Frage stellen sich wohl alle Eltern früher oder später. Sollte ich damit warten, bis meine Kindern von selbst danach fragen? Bin ich dann auch wirklich ehrlich oder verschleiere ich ihn doch, weil ich denke meine Kinder sind zu klein? Bereite ich meine Kinder auf den nahenden Tod eines geliebten Menschens oder Haustier vor?
Ich denke, leider stellen wir uns dazu viel zu viele Fragen, weil der Tod nichts ist, worüber man gerne spricht und ihn am liebsten aus unserem Leben ausklammern würde. So als existiere er nicht! Aber das wird eben niemals so sein! Er ist immer da. In den Medien ist er mittlerweile sogar täglich sehr präsent. Es gibt kaum Nachrichten ohne Tod. Und der Tod gehört nun mal zum Leben dazu. Ich werde geboren, ich lebe und ich werde irgendwann sterben. Der Tod ist natürlich! Ob er natürlich bleibt oder wir Ängste entwickeln, dies müssen wir selbst entscheiden und dies beginnt schon mit dem, was wir unseren Kindern dazu vermitteln.

Sicherlich habt ihr mitbekommen, dass wir Meerschweinchen halten. Zur Geburt unseres Sohnes waren es immerhin noch 8 Tiere in 3 Gruppen. Einige davon schon sehr alt und es war klar, dass der Zwerg schon recht früh mit diesem Thema konfrontiert werden wird. Er wird ab einem bestimmten Alter merken, dass plötzlich ein Tier fehlen würde und er würde mich fragen, wieso! Mir war von Anfang an klar, dass keines dieser Tiere ersetzt werden würde, schon garnicht hätte ich versucht ein ähnlich aussehendes Tier zu finden... meine Eltern ersetzten meinen geliebten Goldhamster durch ein ähnlich aussehenden, aber deutlich kleineres Exemplar... was mir natürlich sofort auffiel....
Meinem Kind gegenüber wollte ich schon immer ehrlich sein und so blieb ich bei der Wahrheit, als es nötig wurde.

Die wenigsten Haustiere, wenn man sich den gut mit ihnen auskennt und auch gesundheitlich im Auge behält, liegen morgens einfach tot im Stall. Meistens geht eine Krankengeschichte vorraus, so wie auch bei uns Menschen. Der Zwerg war also hier schon involviert. Er sah wie ich die Tiere pflegte und päppelte und half mit so weit es ging. Beim Päppeln setzte er sich mit seinem Stoff-Meerschweinchen neben mich und päppelte dieses ebenfalls. 
Leider hatten wir gerade im letzten Jahr kein gutes Meerschweinchenjahr und wir mussten einige Tiere gehen lassen. Der Zwerg war immer mit dabei. Wir sind diesen letzten Weg gemeinsam gegangen, ich lasse meine Tiere dabei nicht alleine und somit war dann auch mein Sohn mit dabei. Am Anfang verstand er noch nicht was nun geschah oder warum Mama jetzt weint. Aber gerade kurz vor seinem zweiten Geburtstag als wir nochmals ein Tier erlösen lassen mussten, da begriff er. 
Er hatte monatelang mit mir zusammen dieses Meerschweinchen gepäppelt, es mitversorgt und musste auch teilweise zurückstecken und nun weinte Mama, weil nichts mehr ging und das Erlösen lassen eine Erlösung war. Er weinte ebenfalls bittere Tränen und war untröstlich. Ich musste fast mehr um seinetwillen weinen, als wegen meines Tieres, weil er so traurig war. Weil er feststellen musste, dieses Tier wird nicht wiederkommen und für immer weg sein. Ich erklärte ihm in einfachen Worten, das es nun keine Schmerzen mehr hat und es ihm nun wieder gut geht.

Als sein Uropa zuvor im Sommer starb, da war er etwa 1,5 Jahre. Das hat er noch nicht verstanden. Ich nahm in allerdings mit auf die Beerdigung. Wieso sollten wir dort nicht zusammen hingehen? Wieso hätte jemand deswegen Zuhause bleiben sollen, um auf ihn aufzupassen? Es ist ein gesellschaftliches Ereignis und dort sollte niemand ausgeschlossen werden. Sterben gehört zum Leben dazu. Wir waren traurig, wir weinten und dazwischen war ein kleines Kind, dass es uns doch irgendwie leichter machte, damit umzugehen. Er spielte während der Beerdigungsfeier mit seinen Autos und als er sich doch bewegen wollte, ging er zu meinen Eltern raus, die nicht mehr in die kleine Halle passten und lief mit ihnen über den Friedhof. Ja, für viele mag es im ersten Moment komisch sein ein Baby oder Kleinkind zur Beerdigung mitzunehmen. Aber wieso? Wieso sollte man sie ausschließen?

Vor knapp 2 Wochen betreuten wir das kranke Tier einer Bekannten die ebenfalls sehr krank daheim lag und sich nicht kümmern konnte. Leider war das Tier zu krank, so dass wir eigentlich nur noch den letzten Weg mit ihr gehen konnten. Auch hier war der Zwerg wieder mit dabei. Er wusste, dass wenn nun die Spritzt gesetzt wird, dass dieses Tier einschlafen wird, für immer... und dann keine Schmerzen mehr haben wird... er saß neben der Box und beobachtete das Tier und begleitete sie in den Schlaf, wie er sagte. Wir nahmen sie dann wieder mit heim und er sprach die nächsten Tage immer wieder davon. Er fragte nach dem Tier, immerhin stand die Transportbox noch da. Ich erklärte ihm dann immer wieder, dass sie nun für immer eingeschlafen ist und nun keine Schmerzen mehr hat und sie nun im Himmel ist. Er spricht jetzt noch immer mal wieder davon, schaut hoch in den Himmel und sagt, sie ist nun dort.

Das ist natürlich noch eine sehr einfache Erklärung. Aber noch reicht sie ihm und immerhin ist der Zwerg erst 2 Jahre alt. 
Wenn er irgendwann mehr erfahren möchte und mehr Fragen stellt, werde ich sie ihm beantworten, so gut ich eben kann. Der Tod ist für mich kein Tabuthema. Tod kann Erlösung sein, meist sogar. Er sollte nicht negativ behaftet werden, unsere Kinder sollten durch uns eine natürliche Einstellung zum Tod gewinnen und ihn als das annehmen, was er ist. Ein Teil unseres Lebens.


Sonntag, 29. März 2015

Rosa Turm und Braune Treppe


Zwei Materialien die Maria Montessori entwickelt hat, sind der Rosa Turm und die Braune Treppe. Zwei im ersten Moment sehr unscheinbar wirkende Elemente, die so garnicht aussehen, als würden sich Kinder dafür interessieren und auch noch etwas dadurch lernen können.

Aber genau so ist es! Die Materialien von Maria Montessori weisen sich immer durch ihre Schlichheit aus und gerade das macht sie interessant. Sie brechen das Erlernen von Eigenschaften auf das Mindeste herunter und hilft Kindern damit, sich auf diese Einzelheit zu konzentrieren, sie wahrzunehmen und sie zu verstehen.

Was kann mein Kind nun mit dem Rosa Turm und der Braunen Treppe lernen?

Zunächst wird es die unterschiedlichen Größen und die unterschiedlichen Gewichte erfassen. Ich kann mit der 3-Stufen-Lektion also erarbeiten, welches der größte Würfel von allen ist. Oder welche der Kleinste. Ich kann fragen, welcher die schwerste Stufe von allen ist. Oder ob mir das Kind die kleinste Stufe geben kann. ( Ich finde auf dieser Seite wird dies sehr gut erklärt *klick*) Es werden erste mathematische Zusammenhänge erlernt, die auch im späteren Unterricht sehr hilfreich sein werden. 
Der Aufbau des Rosa Turmes oder der Braunen Treppe steigern die Konzentrationsfähigkeit und die Feinmotorik. Ebenso die Geduld. Denn nachdem der einfache Aufbau kein Problem mehr darstellt, können mit Lernkarten verschiedene Lege- und Stapelvarianten des Turms oder der Treppe oder auch vermischt nachgebaut werden. Dies verlangt sehr viel Geschick.





Als erste Lernkarten habe ich nun zunächst damit begonnen, die einzelnen Kuben und Stufen auf Papier zu bringen, so dass die Kinder die passenden Größen zuordnen können. Eine Variante ist auch, dass die Lernkarten passend beim Aufbau zwischen die Kuben bzw. Stufen gelegt wird.
Man kann die Karten auch ohne den Turm oder die Treppe verwenden und diese vom Kind alleine in das richtige Größenverhältnis legen lassen. Es gibt also wieder vielfältige Möglichkeiten die dem Kind das Größenverständnis und auch die Wortlektionen dazu näher bringen können.

Das Legematerial für den Rosa Turm könnt ihr hier und das Legematerial für die Braune Treppe könnt ihr hier downloaden. Ich wünsche euch und euren Kindern viel Spaß damit!

P.S.: Warum ist mein Rosa Turm nicht rosa? Warum der Rosa Turm wirklich rosa ist, dazu gibt es leider nur sehr viele Mutmaßungen. Von Maria Montessori gibt es keine belegte Aufklärung darüber, so dass ich mich aus optischen Gründen für die naturfarbene Variante entschieden habe.





Freitag, 27. März 2015

Scheitern öffnet neue Wege

Alu von Große Köpfe ruft zur Blogparade auf. Über das Scheitern geht es hier und wie wir damit umgehen oder ob wir schon mal gescheitert sind. Ab wann ist für uns ein Vorhaben gescheitert? Natürlich geht es hier in der Hauptsache wieder um den Umgang mit den eigenen Kindern, unsere Pläne, unsere Vorhaben und ob dies in der Umsetzung, im Alltag wirklich so funktioniert.

Ich habe mir Gedanken dazu gemacht. Wo bin ich gescheitert? Wollte ich andere Wege gehen? Wo waren der Zwerg und ich uns uneinig und wo bin ich von meinem Weg abgewichen? Bin ich dann gescheitert?

So recht wollte mir da nichts einfallen, denn in mir fühlte sich nichts danach an, als wäre ich irgendwo gescheitert. Wieso sollte ich scheitern, weil ich einen anderen Weg gegangen bin, als den von mir im Vorraus geplanten? Es liegen immer Hindernisse auf einem Weg, auf einer zuvor erwählten Strecke. Ein Stau, ein Baum, große tiefe Löcher... da bleibt manchmal nichts anderes übrig als umzukehren, andere Wege zu suchen oder auch mal auszuharren und zu warten. Es gibt auch kleine Hindernisse wie starken Regen oder Glattheis, welche die Reise langsamer werden lassen, als eigentlich geplant. Wir können uns davon streßen und aus der Bahn werfen lassen oder die Sache ruhig angehen und weiter fahren. Was bleibt uns schon anderes übrig?
Fühlen wir uns nach solchen Autofahrten gescheitert? Ich denke nicht! Es sind Unwegbarkeiten und Hindernisse, die einfach geschehen können.

Und so ist es in unserem Leben immer und überall, in jeglicher Hinsicht. Ständig kann etwas passieren, das so von uns nicht geplant wurde. Wir können uns davon beeinträchtigen lassen oder mit diesen neuen Umständen umgehen und weitermachen.

Ich fühle mich nicht gescheitert, wenn plötzlich etwas anders läuft als geplant! Ja, ich bin dann vielleicht sauer, unendlich wütend und könnte Wände einschlagen. Oder ich bin traurig und weine, ziehe mich auch mal zurück. Ich kann darüber enttäuscht sein oder entsetzt. Alle Gefühle sind erlaubt, immer! Jedes Gefühl ist ein Gefühl, es kommt und es wird auch wieder gehen. Jedes Gefühl darf gelebt werden, ich muss nur lernen mit diesen umzugehen und das kein Gefühl schlecht ist!

Sich gescheitert zu fühlen, traurig darüber zu sein, wütend, ängstlich, bekümmert... es sind alles Gefühle... sie kommen und sie gehen und dann dreht sich das Leben weiter. Weiß ich darum, wird es neue Wege geben. Es gibt immer neue und andere Wege. Und weil eben jeder Mensch seinen eigenen anderen Weg geht, treffen sich diese auch mal. Man geht sie gemeinsam, dann merkt man, man möchte unterschiedliche Wege gehen... tut man es oder einigt man sich doch? Einer wird in diesem Moment von seinem geplanten Weg abweichen müssen. Deswegen scheitert man aber nicht! Kompromisse zu finden ist normal. Kompromisse müssen wir eigentlich jeden Tag finden. Und das geschieht auch meist recht unbemerkt und im Standby unseres Gehirns. Wir machen uns darüber oft garkeine bewussten Gedanken mehr.

Ich fühle mich nicht gescheitert, dass viele Dinge im Umgang mit meinem Zwerg nun einfach anders laufen, als ich sie mir in der Schwangerschaft ausgemalt habe. Auch weil ich dazu gelernt habe. Weil ich nun weiß, wie anders Kinder sind. Das ich sie nicht mit mir vergleichen kann. Weder körperlich, noch geistig. Weder in ihren Interessen, noch in ihrer Tagesgestaltung. 
Ich bin sogar sehr froh darum, diese vielen neuen Dinge zu wissen. Der Alltag mit meinem Kind verläuft dadurch so viel harmonischer, gelassener und im Einklang. Ich kann sagen, ich habe ein wundervolles Kind. Einfach deshalb, weil ich Unterschiede in unseren Meinungen und Ansichten akzeptiere und Kompromisse für uns alle suche. Aber auch wenn Meinungsunterschiede dazu führen, dass wir uns auch mal nicht einig sind, dann sind es Gefühle die da sind, die wir in dem Moment aushalten müssen. Ich bin deswegen keine schlechte Mutter und mein Sohn ist deswegen kein schlechtes Kind. In diesem Moment sind wir eben unterschiedlicher Meinung, haben unterschiedliche Standpunkte. Wir werden nach diesem Hindernis auch wieder zusammenfinden, wenn wir unserem Gefühlen in diesem Moment ihrem Raum zugestehen.

Es gibt viele Dinge in meinem Leben, die ich ursprünglich anders geplant habe oder die ich nun im neuen Licht anders planen würde... aber geschehen ist geschehen. Ich könnte mich gescheitert fühlen, aber das tue ich nicht. "Scheitern" öffnet neue Wege und das ist gut so!

Wir erlauben uns und unseren Kinder, zu scheitern. 

Wenn wir uns zu scheitern gestatten, wenn wir Raum dafür schaffen, dass dies geschehen kann - dann erkennen wir die Furcht an und lassen sie zu, statt nach Kontrolle und Sicherheit zu fanden.
Scheitern gehört zum Leben, und es bedeutet nicht, dass wir gut oder schlecht sind.
Im Buddhismus macht das Wort Scheitern keinen Sinn, weil es kein Ende und keinen Anfang gibt; alles führt zu etwas anderem.
In der Natur gibt es sonnige und verregnete Tage - sie sind weder gut noch schlecht, sie sind nur beide Begleitumstände des Lebens.

- Krissy Pozatek  aus dem Buch Mokassinkinder: Mutig. Neugierig. Selbstbewusst.

Mittwoch, 25. März 2015

Das Abstillen hat schon lange begonnen...

Viele Mamis berichten darüber, dass sie oft erst Tage später merkten, dass ihr Kind sich selbstbestimmt abgestillt hat. Das sie feststellten, es hat seit Tagen nicht mehr nach der Brust verlangt. Mittlerweile kann ich dies auch etwas nachvollziehen... denn auch hier hat sich das Abstillen langsam eingeschlichen und eingeläutet. Es wird irgendwann kommen, das Ende dieser wundervollen gemeinsamen Zeit.

Ich hatte schon oft in den verschiedensten Beiträgen geschrieben, dass mein Zwerg im Grunde nur noch zum Einschlafen gestillt wird und hin und wieder, wenn er Trost braucht und dabei nach der Brust verlangt. Zum Weiterschlafen in der Nacht verlangt er schon lange nicht mehr danach.

Jetzt ist es so, dass er seit kurzem sogar bei Papa und Oma in den Mittagsschlaf bzw. auch in den Nachtschlaf findet. Er kuschelt sich an Oma oder Papa und schläft ein. Einfach so! Als wäre es das Normalste auf der Welt. Ja, natürlich ist für uns Erwachsene Schlafen total normal und wo soll da das Problem liegen? Schlafen will gelernt sein! Vorallem das Einschlafen! Schlafen benötigt Nähe und Vertrauen. Und auch das Nuckeln hilft unseren Babys und Kleinkindern sehr in vertrauter Umgebung und mit vertrauten Personen in den Schlaf zu gleiten. Und bei den meisten Babys ist das am Anfang die Mama und NUR die Mama! Denn gerade bei Stillmamas ist die Brust vorhanden und die wird gebraucht zum Einschlafen!

Nun ist das nicht mehr so, also nicht mehr immer. Er verlangt zwar noch täglich Abends die Brust, aber nicht immer schläft er auch damit ein. Oft wird nur noch kurz genuckelt und dann legt er sich lieber neben uns und schläft ein. Oder seit zwei Tagen sagt er auch, er ist nun müde und möchte bitte ins "boah Bett"... also ins große Bett, in unser Familienbett. Und dann gehen wir alle hoch und schlafen ein. Einfach so!

Auch bei der Tante ist er eingeschlafen. Er brauchte zwar etwas länger zum Einschlafen, die Tante ist ihm ja doch nicht ganz so vertraut, wie Mama, Papa oder Oma... aber er wusste er konnte ihr vertrauen und schlief in ihrem Armen ein. Wieder ein weiterer Schritt ohne Mama...

Ja, er wird kommen der Tag, an dem ich wahrscheinlich auch merken werde, der Zwerg hat seit Tagen nicht mehr gestillt... bin ich dazu schon bereit?

Ja und nein! Diese wundervolle Zeit, diese innige Verbundenheit. Zunächst die totale Abhängigkeit des Kindes, ich habe es mit meinem Körper genährt, zunächst in meinem Bauch, dann mit meiner Milch... zum Glück kommen Kinder nicht erwachsen auf die Welt, sondern alles hat seine Zeit und alles geschieht schleichend. Denn nicht nur die Kinder müssen sich auf neue Situationen einlassen und dabei lernen, auch wir. Auch ich als Mutter muss mit jeder neuen Situation umgehen lernen. 
Ich muss lernen, dass die Abhängigkeit meines Kindes jeden Tag ein klitzekleines Stückchen weniger wird, sowie auch das Stillen jeden Tag ein bisschen weniger wird. Die Unabhängigkeit meines Kindes wird größer, sowie auch meine Unabhängigkeit wieder größer wird. Ich kann problemlos länger wegbleiben, auch Abends, da der Zwerg sich nun auch von seinem Papa oder der Oma ins Bett bringen lässt.

Es ist schön wieder etwas unabhängiger zu sein, es war und ist aber auch schön, diese innigen Momente mit seinem Kind zu teilen. Ihm geben zu können, was es benötigt. Ich freue mich darüber, dass es so schleichend passiert. Ich werde mich daran gewöhnen können, da es wohl kein abrupten Ende geben wird. So wünsche ich es mir! Denn an neue Situationen muss sich nicht nur das Kind, sondern auch die Eltern bzw. hier die Mama gewöhnen.


Dienstag, 24. März 2015

Über den Wert von Spielzeug und Kindern

Szene auf einem Kinderfloh-Markt: Ich stehe in der Warteschlange, vor mir eine Dame voll bepackt mit ganz viel und unterschiedlichem Plastikspielzeug... die Artikel werden verrechnet und dabei fällt der Dame an der Kasse auf, dass da einige der Spielsachen kaputt sind und informiert die Dame. Diese erwidert sehr trocken, dass dies nicht schlimm wäre, ihre Kinder würden es ohnehin kaputt machen und so hat sie dann auch nicht viel dafür ausgegeben...

Andere Beispiele, die ich immer wieder auch in den Kleinanzeigen erlebe: Unter der Beschreibung "guter gebrauchter Zustand", scheine ich etwas deutlich anderes zu verstehen, als so einige der Einsteller. Für mich ist ein Holztisch und Stühle die von oben bis unten bemalt sind, eventuell noch mit Sticker versehen, kein "guter gebrauchter Zustand"... wenn ich alleine an die Arbeit denke, die ich beim beseitigen der Sticker habe und beim Abschmirgeln des Holzes, um dessen Schönheit wieder zum Vorschein zu bringen, passt das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Aussage zum guten Zustand der Ware einfach nicht!

Und dann kommt ein weiterer Punkt: Was vermittel ich meinen Kindern mit kaputtem Spielzeug? Was vermittel ich ihnen damit, mit Gegenständen nicht sorgsam umzugehen?

Kaputte bzw. beschädigte Dinge verführen dazu, nicht sehr ordentlich mit ihnen umzugehen. Mit unbedschädigten und schönen Sachen hingegen gehen Kinder sorgfältiger um. Dabei lernen sie ebenfalls eine wichtige soziale Kompetenz, den achtsamen Umgang mit der Umwelt.
- Claudia Schäfer -

Welchen Stellenwert hat mein Kind für mich, wenn ich ihm kaputtes Spielzeug schenke? "Du macht es sowieso wieder kaputt, also schenke ich dir nichts Neues". Ich vermittele: Du bist es nicht wert, dass ich Geld für dich ausgebe! Du machst alles kaputt! Du kannst garnicht mit Spielzeug und wertvollen Gegenständen umgehen! 
Möchte ich all das meinem Kind vermitteln? Möchte ich ihm zeigen, dass ich nichts positives von ihm denke? Das ich ihm nicht zutraue sorgfältig mit seinen Spielsachen umzugehen oder auch mit Gegenständen im Haus und in der Umgebung?
Das Kind wird nicht so verquer denken, wie der Erwachsene: "Ok, solange ich nicht aufpasse, bekomme ich nichts Neues, nichts Schönes." Sondern es wird schlußfolgern: "Ich bin es nicht wert! Ich mache alles kaputt! Ich kann garnicht sorgfältig mit Dingen umgehen"
Es ist die "sich selbst erfüllende Prophezeiung", die hier immer wieder geschehen wird. "Siehst du, du hast es schon wieder kaputt gemacht! Ich wusste es! Daher bekommst du kein neues Spielzeug von uns!"

Wenn ich nun aber wunderschönes und ansprechendes Spielzeug für mein Kind bereit halte, wird es dies voller Bewunderung bestaunen und sorgfältig damit umgehen. Und, natürlich wird auch mal etwas kaputt gehen. Ist uns noch nie etwas kaputt gegangen? Etwas herunter gefallen? Und haben wir uns nicht unheimlich über uns selbst geärgert und uns erschrocken? 
Das Kind wird sich genauso erschrecken und sich ärgern, wenn es etwas kaputt gemacht hat. Es wird sogar richtig entsetzt sein! Dann können wir schimpfen... aber wollten wir geschimpft werden? Oder wir können unser Kind trösten und versuchen mit ihm zusammen das Spielzeug zu reparieren. Reparieren bedeutet etwas wertschätzen. Weg von der Wegwerfgesellschaft zu kommen. Hochwertige Spielsachen sind robuster, halten länger und sind auch teurer. Solche Dinge wirft man nicht einfach weg, man geht damit auch ganz anderes um. Sie haben für uns einen "Wert". Ein billiges Plastikspielzeug geht meist ruckzuck kaputt, es ist ein Wegwerfgegenstand und wird entsorgt. Aber vielleicht hing das Herzblut unseres Kindes darin. Was vermittel ich meinem Kind damit?

Beispiel: Der Zwerg findet Klappenbücher ganz wunderbar. Hinter jeder Klappe ist etwas zu entdecken und zu erfahren. Ich suche daher gerne auf Flohmärkten und in den Kleinanzeigen danach. Aber auch hier gibt es wohl unterschiedliche Wertevorstellungen... gut gebraucht, bedeutet für mich, leichte Knicke in den Seiten, aber immerhin sind alle Klappen vollzählig.... weit gefehlt... ich muss wirklich jede Seite durchblättern bzw. die Verkäufer darauf ansprechen, ob alles vollzählig ist. Es werden tatsächlich Bücher mit herausgerissenen Klappen verkauft!
Leider habe ich vor Kurzem nicht richtig hingesehen und ich erwischte ein Buch mit einer eingerissenen Klappe. Ich blätterte das Buch also zusammen mit dem Zwerg durch und er entdeckte diese und war sehr verstört darüber. Wir reparierten die Klappe dann gemeinsam mit etwas Klebeband und dann war es auch für ihn gut. Gerade unsere Kleinsten, denen die innere und äußere Ordnung sehr wichtig ist, da sie damit ihre kleine Welt und die Umwelt verstehen lernen, fällt etwas falsches, etwas kaputtes sofort auf. Und ist es dann für uns ebenfalls nicht in Ordnung und stellen es richtig, lernen sie daraus. Kaputt ist nicht in Ordnung und sie wollen sich damit auch nicht umgeben.

Ist ein Spielzeug jedoch unwiederbringlich zerstört, dann kommt es nun auf das Alter des Kindes und wieviel es schon versteht an, wie wir damit umgehen. Kaputtes Spielzeug, dass nicht mehr repariert werden kann, muss leider entsorgt werden. Versteht es das Kind schon, binde ich es am besten ein. Wir können gemeinsam entscheiden, was wir nun tun können. Werfen wir es gemeinsam weg? Können wir vielleicht daraus doch noch etwas Neues erschaffen? Sollen wir es neu kaufen?

Kinder sollen gerade bei ihren eigenen Dingen mitentscheiden können. Damit schätzen wir sie wert und achten sie. Dinge die Kinder lieben, achten sie.

Wir sollten also bei der Wahl der Spielsachen darauf achten, dass diese intakt, ansprechend und vollzählig sind, denn damit vermitteln wir unseren Kindern, dass auch wir sie schätzen und sie es uns wert sind.

 

Sonntag, 22. März 2015

Ist Erziehung heute schwieriger?

Gestern Abend stolperte ich über ein Zitat in Facebook, welches ich sehr einleuchtend fand und doch war es mir zu knapp. Kann das Nachdenken und Wählen dürfen, alleine die Kindererziehung soviel schwieriger gestalten, als sie noch zu unserer Kinderzeit war?

Ist Erziehung heute schwieriger ist als früher? Es ist schwieriger, weil wir jetzt nachdenken dürfen und wählen müssen.

- Jesper Juul-

Ich denke, nachdenken durfte der Mensch schon immer, die Zeiten haben sich allerdings geändert. Nachdenken wird nun auch gefördert! Noch zu Großmutterszeiten sollten alle gleich sein, alle sollten eine Linie fahren. Niemand wollte durch Andersartigkeit auffallen und damit zum Gesprächsthema bei den Nachbarn oder gar im ganzen Ort werden. Mit den Jahren verschwamm diese "Gradlinigkeit", immer mehr Menschen zeigten öffentlich was sie von diesem Einheitsbrei hielten und lebten anders. 
Das heisst, heute wird auch gelebt worüber man nachdenkt und man wählt für sich selbst, wie man leben möchte und natürlich auch, wie man erziehen möchte!

Neue Wege gehen

Viele von uns waren mit der eigenen Erziehung durch unsere Eltern unzufrieden oder sehen sie in der heutigen Zeit einfach für veraltet an. Wir suchen daher fast alle, wenn wir eigene Kinder bekommen und haben, neue Wege. Einen Weg, den wir für richtig ansehen. Das gab es natürlich schon zu den Zeiten unserer Eltern. Auch diese wollten anders erziehen, als deren Eltern, aber es fehlte eine Komponente. Das Internet und die Vernetzung! Wo es zu Zeiten unserer Eltern vielleicht eine handvoll Ratgeber zum Thema Schwangerschaft und Kindererziehung gab, gibt es heute meterlange Regalreihen, die unter der lasst des "Fachwissens" von ganz vielen verschiedenen Autoren ächzen. Zu jeder Meinung, ob sie nun richtig oder falsch ist, denn das ist oft auch Ansichtssache, wird sich ein Ratgeber finden lassen!
Es ist für uns also unheimlich schwer geworden, aus dieser Vielfalt, den Weg zu finden, den wir als richtig ansehen. Auf unsere Intuition können wir uns leider nur sehr beschränkt einlassen. Denn Intuition erstellt sich aus gemachten Erfahrungswerten. Unser sogenanntes Bauchgefühl ist schon lange nicht mehr dieses des Steinzeitmenschen, sondern sind die Erfahrungen, die wir seit Kindheit gemacht haben. Daher kommt es doch sehr oft vor, dass sich Erziehungsstile unserer Eltern bei uns wieder finden, die wir eigentlich so garnicht anwenden wollten. Wir wenden sie "aus dem Bauch heraus" an. 
Das Problem unserer neuen Wege ist oft, dass wir sie meist alleine gehen und sie vor uns auch noch nie jemand gegangen ist. Wir treten in keine vorhandenen Fußspuren, es gibt niemanden den wir um Rat fragen könnten. Und statt dann Unterstützung zu bekommen, werden wir oft nur belächelt, vielleicht sogar ausgelacht und das wir an unserer Situation selbst schuld sind, wie sie nun ist. Ja, das macht Erziehung bzw. die Beziehung zu unseren Kindern defintiv schwieriger als noch zu vergangenen Zeiten! 

Keinen Clan

Das Sprichtwort "Um ein Kind zu erziehen, benötigt es ein ganzes Dorf" wird immer schwieriger anzuwenden. Viele Familien ziehen durch den Job in weit entfernte Städte und die eigenen Eltern und die Verwandschaft sind in keiner greifbaren Nähe mehr. Auch die Liebe selbst führt heute oft dazu, dass man von seiner Heimat wegzieht. Durch das oben genannte Internet und die Vernetzung finden wir heute zu Partner, die wir früher garnicht gefunden hätten. Früher verblieben alle in direkter Umgebung ihrer Familie, weit schaffte man es auch nich weg, wieso sollte man auch weiter wegziehen? Es gab Jobs in direkter Umgebung, die Familie war in direkter Umgebung und durch die hohen sozialen Interaktionen (die es heute auch aufgrund des Internets kaum noch gibt), fand sich auch ein Lebenspartner im direktem Umfeld.
Ohne Clan allerdings ein Kind zu erziehen, ist oft nicht sehr einfach. Hinzu kommt noch die deutlich höhere Rate der Alleinerziehenden, die es zu Zeiten unserer Eltern in diesem Umfang garnicht gegeben hat. Wer einen Partner hat, der beruflich oft weg ist, kann es sich ansatzweise vorstellen, welche Zusatzbelastung das ist, komplett alleine mit Kindern zu sein. Ja, ich denke auch das kommt hinzu, wenn wir heute davon sprechen das Erziehung schwieriger geworden ist. Ohne Clan und vielleicht auch alleinerziehend macht es den Umgang und den Alltag mit Kindern sicherlich nicht einfacher!

Streß

Es ist niemandem unbekannt, dass der Streßlevel jedes einzelnen sich in den letzten Jahren deutlich erhöht hat. Die hohe Rate der Burnout-Diagnosen spricht auch dafür. Das Arbeitspensum, die Versorgung der Kinder, die tägliche Rotation alles unter einen Hut zu bekommen und vielleicht sogar noch Angehörige die gepflegt werden muss, sind teilweise kaum zu bewältigen und nicht wenige kommen damit täglich an ihre Belastungsgrenzen.
Ist es aber wirklich immer nur Streß der von Außen auf uns hereinbricht oder machen wir uns viel Streß auch selbst? Können wir uns in einigen Bereichen unseres Lebens nicht auch entschleunigen? Können wir versuchen einen Weg zu finden, mit Streß besser umzugehen? 
Wenn wir den Streß der Arbeit mit nach Hause nehmen, fällt es und direkt schwerer bei Konflikten mit unseren Kindern ruhig zu reagieren und ruhig zu bleiben. Der Streß setzt sich dadurch automatisch fort und bauscht sich immer weiter auf. Da wir alle für uns selbst verantwortlich sind, können wir den entstehenden Streß nicht alleine auf Fremdbestimmungen abwälzen. Wir sind für uns alleine verantwortlich und somit müssen wir Sorge tragen, Streß bewältigen zu können und ihn nicht durch unseren kompletten Altag hindurch zu tragen. 
Streß bringt Konflikte. Streß erschwert die Erziehung und die Beziehung zu unseren Kindern. Die Welt dreht sich immer schneller und wir wollen uns im gleichen Tempo mitdrehen... unsere Kinder drehen sich aber immer noch gleich schnell.

Unser hoher Anspruch an uns

Oft führt der hohe Anspruch an uns selbst zu dem entstehenden Streß. Wir wollen besser sein als der Kollege, wir wollen auch als Mutter noch die Leistungen erbringen, die wir vor der Elternzeit erbracht haben. Wir wollen die perfekten Eltern sein! Wir wollen trotz Erkältung oder Grippe alles erledigen können. Wir wollen Arbeit, Kind, Alltag, Hobby, Familie bewältigen können und alle zu gleichen Teilen. Niemand soll zurückstecken, alles soll in seinen gewohnten Bahnen verlaufen, nichts soll sich mit Kind ändern. Das dies so nicht sein wird, sollte eigentlich jedem von uns klar sein. Das der Haushalt dann eventuell nicht mehr so tiptopl blitzen kann, eigentlich auch... wir müssen bei sovielen Doppelbelastungen austarieren, was uns wirklich wichtig ist und was eben zurückstecken kann und damit müssen wir lernen umzugehen. Alles zu schaffen, ist vielleicht eine Weile möglich, aber auf Dauer? Ich erinnere hier gerne an die steigende Rate der Burnouts...

Der richtige Zeitpunkt

Für viele von uns gibt es DEN richtigen Zeitpunkt zum Kinderkriegen. "Wenn wir eine Festanstellung haben", "Wenn wir endlich verheiratet sind", "Wenn wir unser Traumhaus haben", "Wenn ein gewisses Kapital auf dem Konto ist".... Wenn, wenn, wenn... der Zeitpunkt schiebt sich dadurch immer weiter nach hinten, ungewollt, aber unsere hohen Ansprüche hindern uns daran.
Mein Arbeitskollege erklärte mir das schon vor vielen Jahren, denn auch ich hatte diese Ansprüche und erklärte ihm, was ich alles erledigt haben wollte, bevor ich an das Kinderkriegen denken würde, bzw. ich nannte ihm meine Erklärung dafür warum es in Deutschland so wenig Kinder gab: Politik, Kinderfeindlichkeit unseres Landes und und und... Nein, erklärte er mir, es liegt daran, dass es nie einen richtigen Zeitpunkt geben wird!
Ja, er hat recht! Jetzt weiß und verstehe ich es! Wir brauchen nicht zu denken, dass durch den "richtigen Zeitpunkt" alles insgesamt leichter werden wird. Die Erziehung unserer Kinder wird dadurch nicht leichter, dass wir ein Haus haben und verheiratet sind. "Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen" ist ein weiteres Sprichwort, welches uns zeigt, dass wir nichts planen können! Mit Kindern kann man ohnehin nichts planen. Sie werden nie so sein, wie wir uns wünschen. Es sind eigene kleine Persönlichkeiten, mit eigenem Kopf, mit eigenen Wünschen, die wahrgenommen und geachtet werden wollen. Wir werden immer, immer in unserem Leben Kompromisse eingehen müssen! 

Fehlende Einrichtungen und die Politik

Natürlich gibt es Fremdeinwirkungen, die unseren Alltag erschweren. Die Politik hat derzeit defintiv andere Vorstellungen als wir es von einer Familie haben. Die Politik hat schon vor Jahren erkannt, dass Mütter effektive und wertvolle Arbeiter sind und damit die Wirtschaftlichkeit steigern, wenn sie denn früh wieder arbeiten gehen. Dieses Potential soll nicht ungenutzt sein. 
Viele Mütter wollen aber eigentlich garnicht so früh wieder arbeiten gehen und tun es dann doch. Zum einen, weil durch die heutige Schnelllebligkeit der Wiedereinstieg in den Job erschwert wird und zum anderen, weil ein Lohn heute kaum noch ausreichend ist um eine Familie zu ernähren bzw. bestimmte Lebensstile zu erhalten. 
Aber wo sind die Einrichtungen, die die Kinder der früh wieder arbeitenden Mütter betreuuen sollen? Den Streß den sich viele Familien dadurch machen ist enorm. Hinzu kommt das Pendeln, das genaue Planen der Bring- und Abholzeiten, die oft nicht mit den beruflichen Belangen konform laufen. In meiner Kindheit konnten viele Mütter problemlos (jedenfalls hier im Westen) noch zu Hause bleiben bzw. der Clan war vorhanden. Die Kinder wurden von der Mutter oder den Großeltern zu Hause betreut, vor 3 Jahren ging kein Kind in den Kindergarten bzw. vor 3 Jahren gab es überhaupt keine Fremdbetreuung. Über solche Dinge, wie Fremdbetreuung und die Organisation dahinter musste sich zu meiner Kindheit kaum eine Familie Gedanken machen.

Es gibt sicherlich noch viele weitere Faktoren, die Erziehung heute "schwieriger" machen als dies "früher" vielleicht der Fall war. Wie ich schon geschrieben haben, machen wir uns einige Schwierigkeiten selbst, manche Streßfaktoren haben sich aber durch unsere globalisierte Lebensweise erst entwickelt. Das Zitat von Jesper Juuls ist insofern nicht inkorrekt, es spiegelt auch viele Punkte im groben wieder die ich hier vertieft habe. Es spiegelt aber noch lange nicht alles wieder. Es liest sich, als wären nur die Familien selbst schuld, wenn der Umgang mit ihrem Kindern schwieriger würde. Dem ist allerdings nicht so! Trotzdem sind wir immer für uns alleine verantwortlich. Auch wenn die Vorraussetzungen sind wie sie sind, sie werden sich nicht von heute auf morgen ändern. Es werden nicht plötzlich Einrichtungen aus dem Boden gestampft werden, es werden nicht plötzlich Entschleunigungen am Arbeitsplatz stattfinden, die Verwandschaft wird nicht in unsere Nähe ziehen... wir müssen daher für uns entscheiden, was uns wichtig ist. Wir müssen für uns, unseren Alltag entschleunigen, so weit es möglich ist. Wir müssen unseren Arbeitsstreß bei der Arbeit lassen und unsere Ansprüche generell übedenken. Wir müssen lernen Nein zu sagen, wenn wir an Grenzen stoßen. Nur wir selbst, können für uns einstehen. Die Umgebung wird sich nicht plötzlich ändern! 

Wir können es uns daher schwer machen oder auch nicht.... was wollen wir?


Donnerstag, 19. März 2015

Windelfrei - auch unterwegs!


Wenn das Kind keine Windeln mehr möchte, beginnt man als Elternteil gedanklich zu routieren. Wie machen wir das, wenn wir unterwegs sind? Wird mir mein Kind frühzeitig Bescheid geben? Hab ich überall Toiletten in der Nähe? Geht mein Kind überhaupt auf die normalen Toiletten? Was gibt es für käufliche Möglichkeiten? An was sollte ich denken?

1.Schritt: Kleine Unternehmungen
Nachdem der Zwerg also Zuhause keine Windel mehr anzog, wollten wir das natürlich auch zügig unterwegs umsetzen, um ihn da nicht zu verwirren und um ihn die Umstellung auch zu erleichtern.
Bei uns hat es daher angefangen mit der Autofahrt zu Oma und Opa. 15 Minuten ohne Windeln im Auto. Um den Autositz zu schützen, habe ich einfach eine der vorhandenen Wickelunterlagen untergelegt und fühlte mich damit deutlich wohler. Zusätzlich packte ich das kleinste Töpfchen in den Fußraum, für alle Fälle!
Es klappte wirklich problemlos. Auch die Heimfahrt! Und die nächste Hinfahrt! Und dann machten wir Abstecher... Wir gingen kurz einige Kleinigkeiten einkaufen und dann fuhren wir weiter. Der Zwerg konnte somit Vertrauen fassen in seine Windelfreiheit und das er seinen Körper kontrollieren kann.

2.Schritt: Die Ausgeh-Zeiten verlängern
Die Einkaufstouren werden länger. Die wöchentlichen Unternehmungen, wie Krabbelgruppe oder Turnen werden ohne Windel aufgesucht. Da wir hier schlecht ein Töpfchen mitnehmen können, suchte ich mir Tipps aus dem Internet und gerade für Jungs kann man es sich da recht einfach machen. Ein einfaches Marmeladenglas oder gut verschließbare Box reicht für Pipi absolut. Gerade wenn die Zwerge sich nicht auf die großen Toiletten trauen, ist eine Alternative notwendig. Und genau das ist hier der Fall. Niemals würde das Herzkind auf eine große Toilette gehen und selbst die kleinen Kindertoiletten im Kindergarten (Ort der Krabbelgruppe) meidet er. Lieber würde er sich einnässen.
Wir führten also das Marmeladenglas ein. Ich zeigte es ihm beim ersten Mal und erklärte ihm was ich damit machen würde. "Wenn du Pipi musst, sag mir Bescheid und dann nehme ich dieses Glas hier, schraube es auf und halte es dir dort (an den Penis gehalten) hin und du kannst dann Pipi ins Glas machen. Hast du das verstanden?" Er bestätigte dies mit einem überzeugten "Ja". Ich trug es einige Male mit mir herum, bis er es wirklich mal nutzte. Er konnte Pipi schon so lange an, dass das Glas einige Maile wieder leer nach Hause kam.

3.Schritt: Tagestouren
Wenn die kleinen und größeren Unternehmungen mittlerweile gut funktionieren und man sowieso auf die Windeln komplett verzichtet, was für die Kinder auch einfacher zu verstehen ist, kann man sich auch an die großen Tagestouren wagen. Natürlich sollten einen auch kleine Unfälle nicht daran hindern. Sie können passieren! Die Kinder sind abgelenkt, sind versunken im Spiel oder durch ein Wachstumsschub verändert sich wieder das Körpergefühl! Wechselklamotten sind bei uns daher immer dabei. Je nach Dauer der Unternehmung, nehme ich 1-2 Wechselhosen usw. mit. Lieber trage ich sie trocken wieder nach Hause, als das ich mein Kind in nassen Klamotten lassen müsste.
Auch für die Tagestouren hat sich das Marmeladenglas als schnelle Alternative bewährt. Etwas Wasser und Tücher helfen beim Säubern.

Fahren wir zur Verwandschaft oder Orten an denen wir ein Töpfchen mitnehmen und hinstellen können, tun wir das. Es wird dort an einen ruhigen Ort plaziert und zunächst dem Zwerg gezeigt, damit er weiß, wo er hinlaufen muss, wenn es ihn drückt.

Zu allen Schritten hilft: Gelassenheit!
Auch hier ging es schon einige Male daneben. An fremden Orten fühlt sich der Zwerg meist noch unwohl, um dort solch intime Dinge zu verrichten und tänzelt meist ewig umher, bis er mir dann auch mal mitteilt das er dringend wohin müsste. Auch wenn ich sehe, dass er muss, brauche ich ihn nicht zu fragen, er würde nicht sagen, dass er muss. Also erinnere ich ihn, in solchen Momenten, nur daran, mir bitte frühzeitig Bescheid zu geben, damit wir es auch noch zum Töpfchen schaffen bzw. ich das Glas zücken kann. 
Wichtig ist immer, selbst wenn es spät ist: Gelassenheit! Keine großen Worte darüber verlieren und dem Kind aus dieser unangenehmen Situation helfen. Nasse Klamotten aus, frische Wechselkleidung an und fertig. Gerade bei Kindern die lange Zeit nicht auf ihr Körpergefühl hören durften und dies ist bei Windelkindern nun mal oft der Fall, muss dies alles erst wieder erlernt werden. Dieser Druck in der Blase, diese Kribbeln im Bauch... diese Anzeichen, dass man auf die Toilette muss und wann man diesen Zeichen folgen sollte, damit es auch nicht zu spät ist... Viele neue Erfahrungen, die nun umgesetzt werden müssen. 

Wir können unsere Kinder durch unsere Zuversicht in sie unterstützen und ihnen vertrauen! Was hatte ich am Anfang Herzrasen, wenn wir im Supermarkt standen und auf einmal rief der Zwerg er müsste Pipi... meine Augen scannten die Gegebenheiten ab und überlegten, ob ich nun alles stehen und liegen lasse und mit ihm ans Auto renne, zum Topf... oder gibt es eine Toilette.. ob er auf diese geht? Fragen über Fragen binnen Sekundenbruchteilen... um dann auf Nachfrage beim Kind festzustellen, er will nun doch nicht und verkneift es sich lieber... Gelassenheit ist wirklich wichtig!



Mittwoch, 18. März 2015

Eine Murmelbahn aus Papprollen

Wie ihr im Wochenend-Bericht sicherlich gelesen habt, haben der Herzpapa und der Zwerg zusammen eine Murmelbahn gebaut. Mein Vorrat an gesammelten Papprollen von Küchenrollen, Toilettenrollen usw. wurde dafür angezapft!

Es wurde geschnitten, geklebt und austariert. Der Zwerg reichte seinem Papa alles was er brauchte und ließ immer wieder die Murmeln flitzen, damit der Papa die Bahn ausbalancieren konnte und alles rund lief... keine Ahnung wer von beiden mehr Spaß am Bauen hatte.

Mit dem Klebeband wurden die Rollen schnell am Schrank fixiert und so kann man sich ganz individuell seine perfekte Murmelbahn basteln.







Montag, 16. März 2015

Kleine Helferlein am Frühstückstisch

Für kleine Kinder ist der Alltag oft nicht einfach zu meistern. Alles ist groß, alles ist unhandlich und oft wollen wir Erwachsene auch garnicht, dass sie etwas nutzen, da wir Angst haben es könnte kaputt gehen oder dreckig werden.
Folgende Situation am Frühstückstisch: Unser Kind möchte nun selbst lernen sein Brot zu schmieren. Mit Butter oder Frischkäse... wir wissen, wie das am Anfang enden könnte... unsere Butter würde aussehen, wie nach einem detonierten Granate und der Frischkäse wäre wohl auch überall, nur nicht auf dem Brot.
Für unsere Kinder ist es allerdings sehr frustrierend, würden wir sie diese Erfahrungen nicht machen lassen. Zum einen ist da die Abweisung durch uns als Eltern, mit der Nachricht: Du bist zu klein, du kannst das nicht. Zum Anderen wird das Kind irgendwann kein Interesse mehr verspüren lernen zu wollen, wenn es immer wieder daran gehindert wird.
Also wie kann ich meinem Kind den Zugang zu Butter, Frischkäse, Marmelade usw. gewähren, ohne zu viel Verschwendung an Lebensmittel zu betreiben?

Ich habe mir schon zu Beginn kleine Glasschälchen besorgt, die man aus Hotels oder von Frühstückstischen aus Lokalen kennt. Ebenso kam vor kurzem ein kleines Butterdöschen hinzu. Beides wird vom Zwerg gerne angenommen. Gerade das Butterdöschen fasziniert ihn. Es ist handlich, es hat seine Größe. Es wirkt als wäre dort ein ganzes Butterstück nur für ihn, welches er nutzen kann. Es zeigt ihm, dass ich ihn und seine Bedürfnisse wahrnehme und anerkenne. Für unsere Kinder ist das eine zutiefste innere Befriedung. So wie es dies auch für uns wäre, wenn wir irgendwo fremd sind und alles bis ins Detail für uns vorbereitet wäre, weil an uns gedacht wurde.

Damit Kinder Selbstständigkeit erlernen können, müssen die Dinge ihrer Umgebung ihnen angepasst werden und oft sind viele unserer Alltagsgegenstände auch in ihrer Größe vorhanden. Wir müssen uns einfach nur umschauen!

Anmerkung: Das Butterdöschen habe ich bei Depot gefunden. Dort gibt es auch kleine Schälchen aus Porzellan. Die Glasschälchen habe ich damals in der Metro entdeckt. Auch Unterlegmatten bzw. Tischsets sind gerade für unsere kleinen Zwerge sehr hilfreich. Sie begrenzen den Platz und ordnet diesen für sie.






Sonntag, 15. März 2015

Unser Oster-Tisch


In der Waldorf-Pädagogik gibt es den Jahreszeitentisch. Dieser macht an einer Stelle des Hauses die Jahreszeiten sichtbar und erlebbar, neben den Ausflügen in die Natur. Hier können die gesammelten Schätze des Tages dekoriert werden, Jahreszeiten und Monatsbilder und auch die derzeitigen Szenarien der Natur oder auch kommende Ereignisse, wie Ostern, St.Martin oder Weihnachten dargestellt und vermittelt werden. Ich finde diese Idee wirklich ganz großartig und überlege schon lange wie ich den Jahreszeitentisch auch bei uns umsetzen kann. Denn diese Möglichkeit die Jahreszeiten, das Jahr mit all seiner Vielfalt und den Ereignissen meinem Kind auch Zuhause vermitteln zu können, gefällt mir.

Eigentlich habe ich einen anderen Platz für den Jahreszeitentisch vorgesehen, hier fehlt mir allerdings noch das Grundgerüst, welches ich im Kopf habe. Daher beginnen wir nun an einem anderen Platz, bis mein Mann Zeit hat, meine Idee auch umzusetzen. 

Der Zwerg und ich dekorierten gestern fleissig und stimmen uns nun auf Ostern ein. Das Osternest hätte er am liebsten noch voller gemacht... an Eier darf es nicht fehlen... und der Osterhase passt ja bis Ostern auch darauf auf... hab ich so erklärt bekommen ;)

Nun fehlen mir noch schöne Osterbücher, die Ostern erklären nach unserem christlichen Glauben und auch den Osterhasen. Ich bin nicht sehr gläubig, finde aber, dass wir alle wissen sollten, warum wir in Deutschland Ostern feiern, ob dies nun einen christlichen oder einen alltertümlichen Hintergrund hat.

Wer also Buchtipps für mich hat, gerne!

Wegen der hohen Nachfrage (Affiliate-Link): Den wunderschönen Dauerkalender habe ich mal wieder in den Kleinanzeigen erstanden. Es macht viel Spaß dort zu stöbern und Schnäppchen zu entdecken.
   







Samstag, 14. März 2015

Schlafen benötigt Nähe und Vertrauen

Für unsere kleinen Steinzeit-Babys war das Schlafen nur sicher, wenn sie eng an Mama gekuschelt einschliefen und dies auch die ganze Schlafenszeit so blieb. Merkten sie im Schlaf, dass die Mama nicht mehr da ist, wurden sie wach, schrien und beruhigten sich erst, wenn die Mama wieder da war. Die Mutter war in der gefährlichen Umgebung die Lebensversicherung der Kinder. Ohne diese waren sie schutzlos und jeglicher Gefahr ausgeliefert.

Es ist somit leicht zu erklären, dass auch heute unsere Babys und Kleinkinder so sind, wie sie sind. Sie wissen im ihre Schutzlosigkeit und dass sie bei Mama in Sicherheit sind. Für viele von uns ist das eine radikale Umstellung. Sie stehen plötzlich im Fokus und müssen nonstop für das neue Leben präsent sein. Manches Kind will sich zu keiner Sekunde ablegen lassen und schläft auch nur auf dem Bauch der Mama. Der Schlaf der früher eine Selbstverständlichkeit für uns war, kann nun sehr anstrengend werden.

Wenn wir um den Hintergrund unserer Kinder wissen, kann es den Umgang mit diesem Verhalten für uns einfacher machen. Wir können genau überlegen, ob wir wirklich ein eigenes Zimmer für unsere Kinder als nötig empfinden. Ob wir mehrfach in der Nacht aufstehen wollen oder ob wir unseren ruhigen Schlaf im Familienbett finden.
Jede Familie wird hier ihre ganz eigene Lösung finden und bei dieser Lösung finde ich am wichtigsten, dass sich auch alle wohlfühlen. Und damit meine ich wirklich alle! Keinem Kind sollte durch "Schlaflernprogramme" und Schreienlassen, das Schlafen "beigebracht" werden. Keiner Kinderseele sollte dies angetan werden. Keine Kinderseele sollte dadurch gebrochen werden und damit auch das Vertrauen in die Eltern. Auch wenn es wirkt als wären sie tagsüber trotzdem ausgeglichen... bedenkt, unseren Kindern bleibt nichts anderes übrig... sie sind auf uns angewiesen, sie wissen, sie können nicht weg, sonst wären sie alleine und damit schutzlos... Kinder ertragen daher viel...

Wir Eltern sind dafür da, dass unsere Kinder friedlich und vertrauensvoll in den Schlaf finden und wenn dafür am Anfang die direkte Nähe notwendig ist, dann ist es so. Es ist natürlich, es ist ganz normal! Auch wenn uns die westliche Welt etwas anderes erklären möchte, dem ist nicht so! Babys bleiben Babys und ändern sich nicht einfach, weil sich die Welt weiter entwickelt hat. Sie sind immer noch schutzlos, sie brauchen immer noch Nähe und wissen nicht um sichere abgeschlossene Häuser und Babyphones. Sie wollen die direkte Nähe, sie wollen alles und das volle Programm. Und wenn wir dies akzeptieren lernen, wenn wir die Natur annehmen, dann wird es leicht. Oder sagen wir leichter... denn wir wissen alle wie schrecklich der Schlafentzug ist, wenn die Kleinen doch nicht in den Schlaf finden. Wenn Wachstumsschübe, Zahndurchbruch oder Bauchschmerzen dem Schlaf ein jähes Ende setzen und wir am eigenen Leib erfahren, warum Schlafentzug gerne als Foltermethode verwendet wurde...

Wir haben schon immer versucht unserem Kind das zu geben, was es in seiner derzeitigen Situation brauchte. Als Baby direkt bei uns, an unserer Seite und kein Stück entfernt. Als wir merkten wir weckten den Zwerg bei jeder unserer Drehung oder Husten, quartierten wir ihn aus. Wir gaben ihm ein Floorbed, welches er so wunderbar annahm, dass er sogar das nächtliche Stillen nicht mehr benötigte und wir nahmen ihn immer in unser Bett auf, wenn er danach verlangte. Durch die schlimmen Erfahrungen bei der Tagesmutter will er nun garnicht mehr in seinem Bett schlafen, wenn er Nachts wach wird. Er kommt rüber und legt sich zwischen uns und das ist ok. Wir können damit alle weiterschlafen und bekommen viel Schlaf und das ist das Wichtigste. Gerade wenn beide Elternteile wieder arbeiten gehen. Schlaf wird benötigt, um ausgeglichen zu sein, um einen langen Arbeitstag konzentriert bestehen zu können und auch um Abends für sein Kind noch aufmerksam zu sein. Das wichtigste am Familienschlaf ist, dass alle dadurch soviel Schlaf bekommen, wir irgend möglich!

Wir stillten seit der Geburt in den Schlaf. Das beste Narkosemittel der Welt! Mit nun über 2 Jahren merken wir, das Narkosemittel verliert so langsam seine Wirkung. So mancher Mittagsschlaf wird durch kuscheln eingeleitet und der Zwerg findet durch direkte Nähe vertrauensvoll in kürztester Zeit in den Schlaf. Auch Abends wird zwar zunächst die Brust verlangt, aber er findet dabei immer mal wieder nicht in den Schlaf. Ich lege ihn dann auf mich, er kuschelt sich zurecht und fällt in den Schlaf. Friedvoll und mit vollem Vertrauen, dass ich da bin. Auch bei seinem Papa klappt das immer öfters, alleine, ohne mich. Und seit kurzem sogar bei der Oma!
Die Oma musste mit ihm zum Schlafen immer mit dem Kinderwagen raus, beim Schaukeln schlief er ruckzuck ein. Wollte sie ihn bisher anders zum Schlafen bringen, war es nicht möglich. Auch wenn er hundemüde war, fand der Zwerg nicht in den Schlaf. Er ruhte dann höchstens an die Oma gelehnt beim Geschichtenerzählen und war dann nach dem Ruhen wieder fitter. Jetzt, wohl auch dadurch das es bei uns oft ohne Stillen nun klappt, schläft er nun beim Geschichtenerzählen neben der Oma ein. Einfach so! Es klappt, weil der Zwerg nun bereit dafür ist. Weil er um seine vertrauensvolle Umgebung weiß und das wir immer schon für ihn da waren. 

Ich bin sehr stolz auf unseren kleinen Sohn, dass er nun auch bei Oma in den Schlaf findet. Das er nun bereit dafür ist. Und ich bin stolz auf uns, dass wir ihm diese Grundlage und Wurzeln dafür gegeben haben. Schlafen benötigt Nähe und Vertrauen. Schlafen ist ganz natürlich und entwickelt sich. Machen wir daraus keine Kunst und auch kein Experiment. Es kommt, wie es kommen wird. Nehmen wir das Schlafverhalten unseres Kindes an, dann nehmen wir auch unser Kind an, so wie es ist!

Kleine Anmerkung: Ich weiß, dass es Kinder gibt die von Anfang an problemlos schlafen, auch in ihren eigenen Zimmern. Liebe Eltern dieser Kinder, ich freue mich für euch! Mit diesem Beitrag möchte ich daher allen anderen Eltern zeigen, die Steinzeit-Kinder haben, es wird besser werden. Die Zeit wird kommen, wenn unsere Kinder dafür reif und bereit sind. Wir müssen solange einfach für sie da sein!


Freitag, 13. März 2015

Ich sehe durch Liebe mein Kind

Hätte mir jemand vor der Schwangerschaft gesagt oder auch während der Schwangerschaft, dass ich mich mal so sehr mit meinem Kind und dem Leben mit Kindern im Allgemeinen beschäftigen werde, hätte ich wohl nur ein müdes Lächeln übrig gehabt.
Natürlich dachte ich, dass ich mich zu dem ein oder anderen Thema einlesen und beschäftigen werde, um mein Kind zu verstehen, aber doch nicht in diesem Umfang.

Kinder spielten lange Zeit in meinem Leben keine Rolle. Ich befasste mich nicht mit ihnen. Ich fühlte mich ehrlich gesagt, sogar sehr unwohl in ihrer Umgebung. Wusste nicht wie ich mit ihnen umgehen sollte, wie ich mit ihnen sprechen konnte, was sie für Bedürfnisse hatten. Ich hätte nicht mal wirklich mit ihnen spielen können. Ich wusste einfach nicht was Kinder wollen! Ich hatte allerdings auch seit meiner Kindheit nie wirklich Umgang mit deutlich kleineren Kindern. Meine Schwester und meine Cousins, wir waren alle in einem ähnlichen Alter und konnten somit alle ähnliche Spiele spielen und hatten ähnliche Interessen.
In meiner direkten Verwandschaft und in meinem Umfeld gab es keine kleinen Kinder oder gar Babys. Ich war also völlig planlos und auf neuen Wegen als ich schwanger wurde und dann mein Baby in Armen hielt. Hätten nicht meine Cousins bzw. deren Frauen ein halbes Jahr bzw. wenige Tage zuvor ihre ersten Babys bekommen, wäre mein Baby sogar das Erste  gewesen, welches ich überhaupt in Händen gehalten hätte.... unglaublich, oder?

Aber so ist es nun in unserer Gesellschaft. Die Geburtenrate sinkt, die Verwandschaft entzerrt sich und zieht auseinander, der Clan ist kaum noch gegeben und vieles an Wissen und dem Umgang mit Kindern geht verloren und muss von den neuen Generationen fast vollständig neu erlernt werden und zwar "Learning by doing" am lebenden Objekt sozusagen. Windelwechseln, Baby baden, Baby tragen, Baby füttern, anziehen.... all diese Dinge sah ich zum ersten Mal und tat sie zum ersten Mal und danach viele weitere Male und lernte und wuchs daran.

Wachsen am Leben mit dem eigenen Kind! Ich lernte und lerne wirklich viel, ich reflektierte viel und ändere mich! Ich sehe nun viele Dinge mit anderen Augen. Mit den Augen meines Kindes und warum es sich so verhält, wie es sich verhält.
Schon in der Schwangerschaft waren viele Aussagen und Erziehungsstile für mich merkwürdig und wenig glaubwürdig. Die kleinen Tyrannen, die mir auf dem Kopf rumtanzen werden, Kinder die nicht mehr in ihrem eigenen Bett schlafen wollen, wenn sie einmal im Familienbett schlafen werden. Das andauernde Loben, das Wegsperren, dieses komische angeblich pädagogisch wertvolle Dudelspielzeug.... 

Ich begann mit Kinderaugen zu sehen und entdeckte soviel Vergessens. Die Bedürfnisse von kleinen Babys nach Nähe, nach Getragen sein, nach Beachtung und einfach nur ganz viel Liebe und Zärtlichkeit. Wo war der Tyrann geblieben, von dem viele berichteten? Von dem Verziehen, wenn man das Baby zuviel verwöhnt und nicht einfach auch mal schreien lässt?

Ich sah mit Kinderaugen, dass es wichtig und richtig war, es so früh wie möglich selbstständig werden zu lassen. Ihm die Möglichkeiten dazu zugeben, damit es daran wachsen kann. Damit es seinem inneren Bauplan folgen kann und selbstzufrieden ist. Das bedeutet Geduld, das bedeutet achtsam sein und viel zu beobachten. Sich Zeit nehmen, die man vorher dachte nie zu haben. Es bedeutet auch einfach mal auszuhalten, die Meinung des Kindes akzeptieren, sich über andere Wege zu informieren, zu überlegen, was man ändern könnte, damit alle glücklich sind. Nicht mehr nur auf die eigenen Bedürfnisse achten und durchsetzen wollen, sondern auch dem Kind seinen Raum in der Familie und seiner Umwelt einzugestehen. Ein Weg der bisher noch nicht so oft bestritten wurde, der oft zu Fragezeichen und Unverständnis bei anderen Eltern oder älteren Menschen führt... auch wenn sie oft kurz davor noch sagten, wie wundervoll sie diesen kleinen Menschen doch finden. Wenn sie hören, wie unser gemeinsamer Alltag aussieht, kommen deren Ängste wieder hoch, sie sehen kleine Tyrannen und verzogene Kinder.

Auf das Kind einzugehen, es mit Liebe zu sehen und es gleichwürdig zu behandeln, das habe ich gelernt und das lerne ich zusammen mit meinem Kind. Jeden Tag! Ich lerne es zu beachten und lerne durch es, wie Kinder eben sind und wie sie gesehen werden wollen. Ich lerne durch mein Kind, dass meine Verhaltensweisen oft nicht die Besten sind, auch nicht im Umgang mit Erwachsenen. Das ich mich mehr in andere hineinfühlen muss, bevor ich handel. Das ich darüber nachdenke, wie jeder einzelne Mensch in seiner Situation behandelt werden möchte. Selbstreflektion! 

Ich sehe durch die Liebe zu meinem Kind, mein Kind. Nicht nur mein Kind wächst täglich, auch ich wachse durch mein Kind. Ich verändere mich und das sicherlich nur zum Guten, wenn ich lerne auf die Bedürfnisse eines kleinen Menschen zu achten, sie zu verstehen und sie mit mir in meinem Herzen und mit Liebe zu tragen und zu sehen.


Mittwoch, 11. März 2015

Kinder können uns Frieden bringen

Ein Punkt der mich bei den Schriften von Maria Montessori immer wieder beeindruckt ist ihr immer wiederkehrender Aspekt zu einer besseren Welt, einer friedvollen Welt durch unsere Kinder. Unsere Kinder sind die Erbauer der Menschheit, sie sind die Erbauer der Erwachsenen und sie sind damit diejenigen die über Krieg und Frieden entscheiden können, über Hass und Freundschaft, über Respekt und Intoleranz.

Unsere Kinder sind diejenigen die alles ändern könnten. Kinder kommen ohne Vorurteile zur Welt, ohne Hass, ohne Tücke oder List. Sie sind noch frei von unseren gesellschaftlichen Zwängen, unseren kulturellen Gegebenheiten. 

Das Kind [...] stellt das wichtigste Element im Leben des Erwachsenen selbst dar: das Element des Aufbaus.
Alles Gute und alles Böse des Menschen im reifen Alter ist eng verknüpft mit der Kindheit, in der es seinen Ursprung hat.
Auf das Kind einwirken heisst, den zartesten und vitalsten Punkt anrühren, an dem alles sich entscheiden und erneuern kann, wo alles von Leben strotzt, wo die Geheimnisse der Seele beschlossen liegen, weil dort sich der Aufbau des Menschen vollzieht.

Der Geist des Kindes kann vielleicht einen wirklichen Fortschritt der Menschen und unter Umständen sogar den Anbruch einer neuen Kultur herbeiführen.

Wir sind darum reich, weil wir die Erben des Kindes sind, das alle Grundlagen unseres Daseins aus dem Nichts hervorgebracht hat. Das Kind vollzieht den ungeheuren ersten Schritt - den Schritt vom Nichts zum Anfang. So nahe ist es den Urquellen des Lebens, dass es handelt, um zu handeln, und so geschieht, was es nach dem Schöpfungsplan vollbringen soll, ohne Aufhebens davon zu machen, ja ohne dass auch nur eine Erinnerung daran im Gehirn des Erwachsenen verbliebe.

Bei dieser seine Verwirklichung der Schöpfung aber sucht der Instinkt Liebe zu wecken. So kommt es, dass das Bewusstsein des Kindes von Liebe erfüllt ist, ja dass das Kind erst durch die Liebe zur Selbstverwirklichung findet. 
Man versteht darunter in der Regel ein Gefühl; doch die kindliche Liebe kommt aus der Intelligenz, und sie baut auf, indem sie liebevoll sieht und beobachtet.
Im Kinde ist die Liebe noch frei von Wiedersprüchen. Es liebt, weil es die Welt in sich aufnimmt, weil die Natur ihm dies gebietet. Und es absorbiert alles, was es aufnimmt, um es dem eigenen Leben, der eigenen Persönlichkeit einzuverleiben.
Innerhalb der kindlichen Umgebung bilder der Erwachsene den wichtigsten Gegenstand der Liebe; von ihm erhält das Kind die materiellen Hilfen, von ihm nimmt es, mit intensive Liebe, das, was es zur eigenen Formung benötigt.

Das Kind steht dieser menschlichen Gesellschaft völlig fremd gegenüber, und man könnte seine Stellung mit dem Bibelwort kennzeichnen: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Es ist also ein Wesen, das völlig außerhalb der von den Menschen geschaffenen sozialen Organisation lebt, ein Fremdling in der künstlichen Welt, die der Mensch neben der Natur und von ihr getrennt sich aufgebaut hat.*

Wir haben im und durch das Kind eine Chance! Wir haben die Möglichkeit eine bessere Welt durch es zu erschaffen. Aber das Kind orientiert sich an uns, an seiner Umwelt und an der Welt, wie sie derzeit ist. Wir müssen vorleben, wie eine bessere Welt aussehen könnte. Frei von Vorurteilen, Hass, Lügen, Intrigen, Respektlosigkeit, .... es fängt bei uns selbst an. Wie oft lassen wie unbedarft Sätze fallen, in denen wir über andere lästern, in denen wir respektlos sind. Wie oft urteilen wie über Äußerlichkeiten und wollen doch selbst daran nicht beurteilt werden. Wie oft zeigen wir doch Vorurteile gegen Andersartigkeit (Aussehen, Kultur, Religion, Glaube). 
Nicht nur das was wir sagen zählt, auch das was wir tun. Wie verhalten wir uns? Kinder können unsere Mimik sehr gut deuten. Auch wenn wir sagen würden, dass alles gut ist, verzogene Mundwinkel, sind leicht zu durchschauen. Auch Körpersprache kann abwerten und urteilen! 
Wie wollen wir selbst behandelt werden? Wollen wir angeschrien, herumgeschubst oder kleingehalten werden? Nein! Auch unsere Kinder wollen das nicht! Sie wollen gehört werden, sie wollen beachtet sein und gleichwürdig behandelt werden. Kinder werden zu Erwachsenen und nehmen alles was sie in ihrer Kindheit erfahren durften oder mussten mit. Sie werden zu dem, was sie in ihrer Kindheit erlebten.

 So müssen wir denn das Kind als schicksalhaft für unsere Zukunftsleben ansehen. Wer immer für die menschliche Gesellschaft einen echten Vorteil erreichen will, der muss beim Kinde ansetzen, nicht nur, um es vor Abwegen zu bewahren, sondern auch, um das wirkliche Geheimnis unseres Lebens kennenzulernen. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, stellt sich die Gestalt des Kindes machtvoll und geheimnisreich dar, und wir müssen über sie nachsinnen, auf dass das Kind, welches das Geheimnis unserer Natür in sich birgt, unser Lehrmeister werde.*

So viele Kinder schon waren die Chance auf eine bessere Zukunft.... sie führen nun Kriege, haben Angst vor Andersartigkeit, sie schreien fremdenfeindliche Parolen heraus. Sehen durch ihren Hass nicht mehr das Wesentliche. Sie haben sich verrannt! Mitgefühl und Respekt vor dem Leben ist verloren gegangen und jeder ist sich selbst der Nächste.... wo sind diese Kinder geblieben, die mal frei von all diesem Bösen waren? Sie "lernten" von ihren Eltern, von ihrem Umfeld und wurden zu diesen Erwachsenen...

Wir müssen an uns arbeiten! Jeden Tag! Wir müssen Dinge an uns erkennen, die wir nicht mögen, die wir ändern möchten. Es können nicht immer nur die anderen Schuld sein! Es kann nicht sein, dass sich nur andere ändern müssen! Auch wir selbst müssen uns ändern! Haben wir Vorurteile, sollten wir überlegen, warum wir diese wirklich haben. Schreien wir, müssen wir uns in Achtsamkeit und einem respektvollen Umgang miteinander üben. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, was wir unseren Kindern mitgeben möchten, was wir für eine Zukunft für sie möchten. Wir können natürlich die Zukunft nicht vorhersehen. Wir können nicht wissen, wie sie wird. Aber wir wissen, wie wir sie gerne sehen würden und was dafür nötig ist. Und jedes Kind könnte zu dieser Zukunft beitragen.

Jedes Kind ist "das Kind". Jedes Kind besitzt das unbekannte, unvorhersagbare großartige Potential. Jedes Kind verspricht eine "Erlösung" von der Kultur, die wir geschaffen haben, von dem Hass und der Wut, dem Krieg und den Verletzungen, die uns Erwachsene umgeben. Wenn wir jedes Kind als "das Kind" sehen können, können wir dem Kind vielleicht in größerem Maße dienen.**

Die wundervollen Sätze von Maria Montessori, sie sind so wahr und sie sind so aktuell! Sie erlebte Weltkriege! Sie weiß um die schwärzesten Schattenseiten unserer Menschheit und unserer Geschichte. Sie weiß, wie es nicht mehr sein sollte und wer uns helfen kann, dass sich dies nicht wiederholt, dass es eine bessere, friedliche und achtsame Welt geben kann. Das Kind kann uns helfen!

Das Kind ersteht immer wieder und kehrt immer wieder, frisch und lächelnd, um unter den Menschen zu leben. Wie Emerson sagt: das Kind ist der ewige Messias, der immer wieder unter die gefallenen Menschen zurückkehrt, um sie ins Himmelreich zu führen.*
 
Jedes neue Leben bietet unserer Menschlichkeit eine neue Chance. **

Die Zitate stammen aus den Büchern "Kinder sind anders"* von Maria Montessori und "Das Tao von Montessori"** von Catherine Mc Tamaney. 

Mich würde jetzt im Anschluß noch interessieren, wie denkt ihr darüber? Sind diese Ansätze, die schon vor vielen Jahrzehnten von Maria Montessori genannt wurden, für euch auch heute noch gültig und richtig?


Freitag, 6. März 2015

Meine Geburt - Meine Entscheidung - Mit meiner Hebamme!

Für mich ist das ein sehr emotionales Thema! Immer wieder, wenn ich an die mögliche Zukunft denke, habe ich einen Kloß im Hals und es fällt mir schwer ihn hinunter zuschlucken. Eine Zukunft ohne Hebammen, ohne selbstbestimmte Geburt, ohne Wissen das über Jahrhunderte angesammelt wurde... ich kann sie mir nicht vorstellen! 

Ich kann mir nicht vorstellen, eine weiteres Kind ohne meine Hebamme zu bekommen.

Der Gedanke daran ist so tiefgreifend, dass mir schon öfters der Gedanke kam: Will ich dann noch ein zweites Kind haben? Will ich, wenn die Option Krankenhaus wäre, mit all den möglichen Interventionen, die man dort ausgesetzt ist? Mit all den Risiken und dem Fachpersonal, welches eigentlich keines ist? Nicht für Geburten, nicht für die während und nach einer Geburt auftretenden Gefühle, Fragen und Ängste einer Frau.

Ich will nicht zu "Fachpersonal", die Wehenpausen nicht als das anerkennen was sie sind. Nämlich Pausen! Pausen die der Körper sich nimmt, um Kraft zu tanken, um einen weiteren Schritt der Geburt meistern zu können. Eine Geburt ist keine Krankheit, nichts an dem man herumdoktern muss, wenn es nicht wirklich Anzeichen dafür gibt. Wobei diese ja im stressigen Krankenhaus-Alltag oft viel zu spät erkannt werden... viele Hebammen müssen sich dort auf mehrere Geburten verteilen. Eine 1:1-Betreuung ist oft garnicht gegeben.

Aber trotzdem heisst es vollen allen Seiten immer wieder, Kliniken und Krankenhäuser sind sicherer. Dort ist man während der Geburt gut aufgehoben. Man hört oft Stimmen, die meinen "wir leben doch nicht mehr im Mittelalter und die Wäsche würden wir doch auch nicht mehr im Bach waschen, also wieso Zuhause bleiben für die Geburt. Wieso gehst du dieses Risiko bewusst ein?" oder "Wäre ich nicht in der Klinik gewesen, wäre ich und/oder das Kind gestorben!"

Ist das wirklich so? Sind außerklinische Geburten wirklich risikoreicher? Wären diese Situationen, die man von Krankenhäusern oft liest, auch bei einer außerklinischen Geburt entstanden? 
Ich bin ein Mensch, der Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus macht. Ich bin sehr kopflastig, was gut und was auch schlecht sein kann und habe mich sehr genau zu diesem Thema informiert. Ich werde hier jetzt keine Statistiken, Prozente und Tabellen auflisten und erörtern. Dies sollte jeder selbst tun und diese ehrlich bewerten! Eine außerklinische Geburt ist nicht risikoreicher, in vielen Fällen vermeide ich sogar entstehende Risiken, da in einer außerklinischen Geburt deutlich weniger Intervention statt findet, sondern der Geburt ihren natürlichen Ablauf zugestanden wird! Ich hatte durch meine Hausgeburt eine 1:1-Betreuung, eigentlich hatte ich sogar zwei Hebammen. Meine Hebamme hatte den Geburtsverlauf zu jeder Sekunde im Blick und hätte durch ihre langjährige Erfahrung frühzeitig erkennen können, ob im Ablauf etwas nicht stimmt, ob sie wirklich hätte intervenieren müssen, ob eventuell wirklich eine Fahrt in ein Krankenhaus notwendig gewesen wäre. Ich konnte meinen Hebammen zu 100% vertrauen, sie waren zu jedem Zeitpunkt da und greifbar! Ich war mir nicht alleine überlassen, wie es oft durch die Mehrgeburtsbetreuung in Krankenhäusern der Fall ist. Meine Hebamme hat jede kleinste Veränderung an mir und der Geburt registriert und konnte sie dokumentieren. Diese plötzlich auftauchenden schlimmen Probleme, wie sie in Krankenhäuser aufkommen, die einen Notkaiserschnitt notwendig machen... die kommen nämlich in den meisten Fällen garnicht so plötzlich...

Und dann ist da noch ein Punkt! Das Risiko, sein Baby im Krankenhaus erst mal weggenommen zu bekommen! Angeblich aus zwingend notwendigen (Routine)maßnahmen! Bei meiner Geburt und den Tagen danach, gab es sogar zwei Fälle in denen mir mein Kind in einem Krankenhaus wohl weggenommen worden wäre!
Der Zwerg hatte wohl durch die schnelle Geburt (siehe mein Geburtsbericht) Fruchtwasser geschluckt und kam etwas blau zur Welt und atmete dadurch nicht sofort. Meine Hebamme saugte routiniert Fruchtwasser ab und beobachtete! Sie beobachtete einfach nur, saugte wenn nötig, nochmal etwas ab und beobachtete. Sie hätte jederzeit reagiert, wenn etwas auffällig gewesen wäre. Im Krankenhaus wäre das damit nicht erledigt gewesen, es hätte genau geprüft werden müssen, ob auch wirklich alles in Ordnung ist. Mein Kind hätte in dem Moment seine Mutter nicht gehabt, nicht die Wärme und Geborgenheit die es gebraucht hätte. Es wäre für "Routineuntersuchungen" von mir weggekommen, wo Beobachten einfach gereicht hätte.
Mein Zwerg bekam in den Tagen nach der Geburt eine richtig schöne karottengelbe Farbe am Körper. Gelbsucht! Und zwar nicht nur ein bisschen. Was wäre im Krankenhaus passiert? Ihr wisst es, oder? Ich will garnicht dran denken!
Meine Hebamme beobachtete! Sie beobachtete und fragte nach seinem Befinden. Hatte er ausreichend Wachphasen, trank er genug, nahm er zu... und beobachtete weiter! Sie sagte mir, auf was ich achten soll und wann wir reagieren müssten. Die Gelbsucht verflog und es musste nichts unternommen werden, außer zu beobachten.

Mein Kind hatte dadurch einen geborgenen und liebevollen Start ins Leben. Er durfte dort bleiben, wo er auch bleiben sollte, bei seinen Eltern, in einem vertrauen, ruhigen und gewohnten Umfeld. Er musste in seinem frischen Leben keine unnötigen Untersuchungen von fremden Menschen über sich ergehen lassen, keine kalten Geräte an seinem Körper spüren, keine Nadel in seinem Körper oder gar alleine unter blauem Licht liegen....

Es wäre alles nicht notwendig gewesen! Es reicht eine erfahrene Hebamme, mit dem Wissen von Jahrhunderten, mit der Gabe zu Beobachten und zu Warten und da zu sein, wenn man sie braucht.

Ich will nicht auf meine Hebammen verzichten! Ich will sie auch bei einer zweiten Schwangerschaft, bei einer zweiten Geburt und bei einem weiteren Wochenbett um mich wissen und auf sie zurückgreifen können. Ich weiß, wie wichtig Hebammen sind, für mich und mein Kind. Ich weiß, welch wunderbare Berufung sie haben, welch wundervolle Aufgabe! Neues Leben willkommen zu heißen.

Hebammen sind nicht einfach nur da, weil das Gesetz dies so vorsieht! Hebammen leisten wundervolles. Ich konnte mich zu jederzeit auf meine Hebammen verlassen, ihnen unter der Geburt vertrauen, mich fallen lassen und dabei wissen, ich bin in den besten Händen!

Ich will sie nicht vermissen müssen! Ich will nicht, dass es sie nicht mehr gibt und ich mir Gedanken darüber machen muss, ob ich eine zweite Schwangerschaft ohne Hebammen überhaupt riskieren möchte...

Keine Versicherung und keine Krankenkasse hat das Recht über mich, meinen Körper und meine Bedürfnisse zu entscheiden!

Geborgen wachsen ruft auf: "Klinik, Geburtshaus, Hausgeburt? Egal, was es ist: An welcher Stelle warst Du froh, dass Du eine Hebamme bei Dir hattest" Macht mit!