Donnerstag, 16. Februar 2017

Unsere liebsten Vorlese-Bücher mit 4 Jahren

Wir lesen jeden Tag! Der Sohn mag es sehr vorgelesen zu bekommen und auch ich liebe es vorzulesen. Das vorlesen auch gut tut, habe ich schon in einem früheren Artikel beschrieben. Sind die Kinder noch kleiner sind es eher Bilderbücher, die man gemeinsam betrachtet oder sie enthalten maximal noch kleine Zweizeiler, die man vorlesen kann.
Nach und nach nimmt der Text zu und auch die Vorlesezeit, immer gepaart mit der höher werdenden Aufmerksamkeitsspanne der Kinder.
Mein Sohn war schon immer sehr ausdauernd beim Bilderbuch betrachten und später auch beim Durchschauen und Lesen von Sachbüchern.
Irgendwann mit drei Jahren bemerkte ich, dass diese Bücher für das abendliche Vorlesen nicht mehr geeignet waren. Sie laden noch zum Nachfragen ein. Klappen wollen nochmal geöffnet werden. Plötzlich ist das Ziel des Vorlesen, dass zur Nacht das Kind ruhiger wird und dann gemeinsam in den Schlaf gekuschelt wird, irgendwie verloren gegangen.
Andere Bücher mussten hier. Bücher mit Geschichten, denen man genau zuhört und lauscht, um nichts zu verpassen. Und der Sohn liebt es ganz dicht bei mir zu sein, die Bilder während des Vorlesens zu betrachten und darauf zu warten, was in der Geschichte als Nächstes passiert.

Im letzten Jahr haben sich so einige Vorlese-Bücher bei uns angesammelt, die wir gerne vor dem Schlafen zusammen lesen. Die Geschichten sind darin mal mehr, mal weniger lange. Manchmal lese ich eine Geschichte, manchmal mehrere hintereinander. Manchmal unterbreche ich auch in der Hälfte einer Geschichte und lese am nächsten Abend weiter. Der Sohn könnte gefühlt ewig zuhören, er schläft auch wirklich ganz, ganz selten beim Vorlesen ein. Deswegen muss ich auch irgendwann selbst den Schlußpunkt setzen und wünsche ihm dann eine Gute Nacht, knuddel und küsse ihn und wir legen uns zur Ruhe. Meist ist er dann innerhalb Minuten eingeschlafen. 
Ich liebe diese ruhigen und schönen Abendstunden, es ist ein schöner Ausklang des Tages, nochmal so nah beinander zu sein und gemeinsam den Tag zu beenden.

Die meisten unserer Bücher versuche ich vom Inhalt nicht zu abstrakt zu halten. Sie sollen einen Realitätsbezug haben, so dass es für den Sohn einfacher ist, den Inhalt der Geschichten auf das eigene Leben und Handeln zu beziehen und darüber nachzudenken zu können.
Ganz toll finde ich hier die Geschichten von Astrid Lindgren. Ich selbst habe sie als Kind nie gelesen und kannte sie nicht, außer das was ich im Fernsehen gesehen habe. Michel aus Lönneberga und Pippi Langstrumpf. Man kann sich sehr gut mit den Personen der Geschichten identifizieren bzw. sich fragen, wie hätte ich reagiert?

Zurzeit lesen wir Wir Kinder aus Bullerbü und Immer lustig in Bullerbü , die kleinen Geschichten sind wirklich sehr schön, aus Sicht von Lisa, eines der Kinder von Bullerbü geschrieben und erzählt im Grunde von Alltagsgeschehen. Nichts Ungewöhnliches, nichts Megaaufregendes. Aber ich glaube, dass macht diese Bücher aus, dass sie das beschreiben, was jedes Kind mit seinen Freunden oder Geschwistern erleben könnte.

Auch von Astrid Lingren sind die Geschichten von Lotta. Von Lotta, die alles kann. Behauptet sie jedenfalls... auch wenn sie weiß, sie kann es nicht. Aber sie will alles können. Wie auch ihre großen Geschwister und sie lässt sich dafür immer etwas einfallen. Sie lässt sich nicht entmutigen und will es können. Wir hatten dazu schon eine Geschichte in dem großen Weihnachtsbuch von Lindgren gelesen und nun das Buch Lotta kann Rad fahren .


Ebenfalls sehr gerne lesen wir Die kleine Birke . Es handelt hier von einer großen Buche, die ganz alleine da steht und sich einen weiteren Baum in ihrer Nähe wünscht. Irgendwann ist da die kleine Birke, die in ihrer Nähe wächst. Und die Buche erzählt ihr alles. Über die Jahreszeiten, über die Tiere in der Umgebung, über Naturereignisse, über die Menschen. Es ist eine schöne Geschichte, mit viel Sachwissen. Sowas mag ich gerne. Sie ist noch etwas lang, sie auf einmal zu lesen. Daher teile ich sie gerne auf zwei Abende auf. Nicht unerwähnt, möchte ich die wunderschönen Illustrationen in diesem Buch lassen. Traumhaft schön!


Hilfe für Mario wird sogar als Montessori-Bilderbuch beschrieben und verkörpert die Grundgedanken von Mario Montessori. Hilfe zur Selbsthilfe, Nächstenliebe, Vervollkommnung. Es wurde von dem Montessori Arbeitskreis Koblenz entwickelt und die Einnahmen werden komplett in die Förderung der Montessori-Pädagogik genutzt. Ich finde das Büchlein wirklich sehr gelungen und die Emotionen darin finde ich sehr gut beschrieben, der Sohn fiebert richtig mit dem kleinen Schildkröten mit.



Am Ende habe ich ein eher ungewöhnliche Buchempfehlung, die nicht so ganz zu den anderen Empfehlungen passt. Es geht um den kleine Drache Kokosnuss . Durch Zufall lasen wir einmal eine der Geschichten und seit dem liebt der Sohn die Abenteuer des kleinen Drachen. Er weiß, dass diese Geschichten nicht echt sind und das es eben auch keine Dracheninsel gibt. Aber ich glaube, genau das gefällt dem Sohn auch so sehr dabei. Drachen. Eine Fantasiewelt und trotzdem ist da Freundschaft, Familie und Werte die vermittelt werden. Der kleine Drache Kokosnuss ist immer offen und freundlich zu allen, er ist aufgeschlossen und gibt nicht viel auf Vorurteile oder Ängste von Anderen. Er will alles lieber selbst erfahren, entdecken und sich ein eigenes Bild machen. Das finde ich sehr schön an diesen Geschichten. Vom kleinen Drachen sind schon wahnsinnig viele Geschichten und Bücher veröffentlicht worden, ich denke wir werden hier noch einiges zu lesen haben. Derzeit lesen wir: Der kleine Drache Kokosnuss kommt in die Schule

Und grundsätzlich wird der Sohn auch nicht müde, die Geschichten immer und immer wieder zu lesen. Sind wir am Ende angekommen, beginnen wir wieder von vorne. Er kann die Geschichten viele Male vorgelesen bekommen und liest sie immer wieder gerne. Von oben genannten Büchern hat er keine speziellen Vorlieben, er holt sie alle immer wieder hervor. So bleibt es abwechslungsreich. 

Und was sind eure liebsten Vorlesebücher?

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Samstag, 11. Februar 2017

Braucht mein Kind einen Lernturm?


Seit wir den Lernturm im Internet entdeckt und nachgebaut haben, ist er für uns nicht mehr aus dem täglichen Leben und Arbeiten wegzudenken. Schon früh konnte uns unser Sohn bei den Essensvorbereitungen zuschauen und dann auch mithelfen. Es war ein großer Schritt für seine Selbstständigkeit. Der Lernturm wurde nun an unsere Tochter weiter gereicht und auch hier sehen wir, wie gerne er angenommen wird und wie entspannt es schon jetzt in der Küche zugeht. Sie beobachtet sehr genau und schon bald wird auch sie mithelfen können.

Nun kommen immer wieder Fragen auf, die ich selbst gestellt bekomme oder die ich im Internet dazu lese: Braucht man das wirklich? Lohnt sich die Anschaffung, wenn das Kind doch auch direkt auf einen Hocker könnte? Wäre ein Hocker nicht besser, da die Kinder achtsamer sind? Ist das Helfen in der Höhe überhaupt sinnvoll, wenn sie es vielleicht noch garnicht einschätzen können? Wem hilft der Lernturm mehr? Den Kindern oder den Eltern? Ist der Lernturm wirklich sicher?

Ich versuche heute einige Fragen, auch in Anlehnung an Montessori, zu beantworten und euch damit die Entscheidung zu erleichtern, ob ein Lerntum bzw. die Anschaffung sinnvoll ist oder nicht.

Enorme Erleichterung für uns Eltern

Wie ich in den damaligen Blogbeiträgen zu diesem Thema schrieb, ist der Lernturm plötzlich eine enorme Erleichterung für uns Eltern. Unsere Kinder wollen dabei sein, sie wollen tun was wir tun, sie wollen beobachten können, wollen begreifen, wollen lernen. Ihnen ist es daher wichtig bei uns zu sein, nur so können sie sich entwickeln. Für uns Eltern kann dieses Bedürfnis nach Nähe und Aufmerksamkeit bei den Essensvorbereitungen anstrengend sein. Kind auf dem Arm und einhändig kochen ist nicht immer so einfach. Auch die Alternative das Kind in die Trage/das Tuch zu nehmen, ist nicht immer praktikabel oder angenehm. Alleine meine Tochter wiegt mit etwas über einem Jahr schon mehr als 12 kg. Ich trage sie wirklich gerne, aber wenn ich andere Möglichkeiten sehe, versuche ich diese auch zu nutzen.

Beim Sohn  und nun auch bei der Tochter kam daher die "Rettung" in Form des Lernturms daher. Der Sohn war nun dabei, konnte alles genau sehen, beobachten und erfassen und war glücklich. Er war zu diesem Zeitpunkt, knapp über 1 Jahr alt und konnte direkt alleine hochklettern, wenige Tage später wusste er auch schon, wie er alleine wieder herunter kam. Er konnte also selbst entscheiden, ob er beim Kochen dabei sein möchter oder nicht.

So entsteht dem Kind die Möglichkeit, selber zu handeln. Und die eigene Handlung wird Willensäußerung. Ohne den Vollzug einer Handlung ist keine Willensäußerung möglich. Das Willensleben ist das Leben der Tat.

- Maria Montessori - 

Einige kritische Stimmen schreiben, dass sie es nicht gut finden, dass Kinder in den Lernturm gehoben werden und ihnen somit diese Entscheidung abgenommen wird. Zudem sind die Kinder dann auch in der eigenen Bewegungsentwicklung noch nicht soweit. Sie können die Höhe nicht einschätzen, sie konnten dies noch nicht ausreichend üben.

Höhen können eventuell nicht eingeschätzt werden

Ich kann diese Beweggründe sehr gut verstehen und nachvollziehen und gebe ihnen grundsätzlich recht. Ich finde es persönlich auch viel besser, wenn das Kind von Anfang an alleine den Lernturm hinauf- und hinunter steigen kann. Beim Sohn hat dies auch wunderbar funktioniert. Also hätte ich ihm doch auch gleich einen Hocker anbieten können, oder? Wieso den Lernturm?
Der Lernturm bietet für mich die Sicherheit des Geländers. Gerade für die Kleinsten ist es sicherlich sehr schwierig sich auf so viele Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Beobachten, mithelfen und dann noch die Bewegung und den Stand zu koordinieren, damit man nicht einen falschen Schritt macht und runterfällt. Auch als Eltern ist es leichter. Denn wenn man gerade kräftig am Rühren ist, damit nichts anbrennt, ist man abgelenkt. 
Nun könnte man wieder sagen, dann ist das Kind noch nicht soweit in dieser Höhe zu arbeiten. Mag sein, aber sagt nicht schon Montessori, wir sollen die Umgebung dem Kind in seiner jeweiligen Entwicklung anpassen und ihm helfen und unterstützen. Wenn uns nun das Kind helfen möchte, es aber noch zu klein ist, um genau auf seinen Stand zu achten, wieso soll ich ihm und uns nicht diese Sicherheit durch den Lernturm geben?
Das Einschätzen von Höhe kann auch anderweitig geübt werden. Auf dem Spielplatz oder einem Kletterbogen oder Pikler-Dreieck Zuhause oder z.B. auch Hocker an anderen Stellen der Wohnung, z.b. im Bad. Hier kann man sich komplett auf das Kind konzentrieren und ist durch Kochen nicht abgelenkt.

Win-Win-Situation

Sollten die Kinder einfach in den Lernturm gehoben werden, wenn sie den Auf- und Abstieg noch nicht alleine schaffen? Das ist eine schwierige Frage und noch vor Monaten hätte ich gesagt, nein! Wir sollten den Kindern diesen wichtigen Schritt nicht vorweg nehmen. Wir nehmen ihnen diesen Lernerfolg, die Motivation und werfen sie vielleicht auch mit Selbstentwicklung ein Stück weit nach hinten. 
Nun ist hier aber meine Tochter... 12kg schwer und auf dem Rücken möchte sie sich nicht tragen lassen. Vorne in der Trage zu kochen, das geht nicht mehr. Gerade zur Abendzeit wird die Tochter aber so anhänglich, dass ich sie nicht absetzen kann, der Protest wäre groß. Bisher warteten wir also immer bis der Papa von der Arbeit nach Hause kam und er dann kochte. 
Wir entschieden uns nun doch die Tochter in den Lernturm zu stellen und siehe da: Glücklich, ausgeglichen und wenn sie keine Lust mehr hat darin zu stehen, bekomme ich das auch direkt signalisiert und helfe ihr heraus. Eine Win-Win-Situation für Eltern und Kind. Ich werde sehen, wie hier die weitere Entwicklung ist.

Ich möchte kurz anmerken: Die Kinder sollten sich schon selbst aufrichten und selbst längere Zeit fest stehen können. Diese körperliche Entwicklung muss gegeben sein, da man die Kinder sonst wirklich in eine Situation bringt, die ihre kleinen Körper noch nicht schaffen und es somit zu Belastungen kommt.
Ich sehe schon täglich, wie meine Tochter versucht den Lernturm heraufzukommen. Die Knie sind schon auf der ersten Stufe. Sie will es von sich aus lernen. Wichtig ist in meinen Augen daher, unsere Kinder nicht grundsätzlich dieser Hürde zu nehmen, wenn wir sehen, sie wollen in den Lernturm oder hinaus. Sondern wir warten ab und beobachten. Oder versuchen zu einem späteren Zeitpunkt Hilfe anzubieten. Dem Sohn habe ich z.B. damals den Abstieg mit wenigen Worten aufgezeigt, als ich merkte,  er verlangte nach Hilfe. So bleibt die Motivation erhalten, es selbst zu lernen und zu schaffen. Ich unterstütze es und nehme ihm nicht alles ab.
Was ich allerdings garnicht schön und auch einschränkend finde, sind diese Art Lerntürme, die komplett geschlossen sind. Die Kinder können diese Türme niemals alleine nutzen und werden in ihrer Selbstständigkeit dauerhaft eingeschränkt.

Lernturm als Klettergerüst?

Wie sicher sind Lerntürme, gerade die Selbstgebauten? Kein Lernturm bietet 100%ige Sicherheit vor dem Kippeln und Umfallen. Hier sind wir als Eltern gefragt und sollten unsere Kinder damit nicht alleine lassen bzw. auch hier gilt zu Beobachten und nach und nach die Verantwortung an unsere Kinder zu übergeben. So wie es auch in allen Lebensbereichen ist. Haben wir einen Stockdosenschutz oder Türgitter? Wann nehmen wir es weg? Wann lassen wir unsere Kinder ohne Aufsicht die Treppen laufen? Irgendwann gibt es immer ein Punkt an dem wir uns entscheiden unsere Kinder zu vertrauen. Bis dahin bleiben wir dabei. Bis dahin stellen wir vielleicht Regeln auf und achten auf die Einhaltung. Wie z.B. der Turm wird nur genutzt wenn wir Eltern dabei sind, auf die Arbeitsplatte wird nicht geklettert oder der Lernturm grundsätzlich nicht zum Klettern genutzt wird oder das sich nicht über die Seiten hinaus gelehnt wird, wegen der Kippgefahr. Das kann je nach Kind gleich verstanden werden oder auch einen längeren Lernzeitraum benötigen. Ich habe von manchen Eltern gelesen, die den Lernturm, sobald sie den Raum verließen, immer umgelegt haben. Natürlich beschneide ich meine Kinder in diesem Moment, aber das tue ich zur Sicherheit auch bei der Verwendung von Türgittern.

Lerntürme bieten nur einen kleinen Arbeitsbereich

Sollte ich mein Kind grundsätzlich in der Höhe helfen lassen oder besser einen eigenen Arbeitsplatz schaffen?
Zunächst einmal können die ganz Kleinen noch nicht viel mithelfen. Daher ist hier ein eigener Arbeitsplatz wenig sinnig und wird wohl auch nicht genutzt werden, da man nicht direkt bei Mama und Papa ist und nicht sieht, was diese tun. 
Später sobald eigene Arbeiten erledigt werden können. Putzen, schneiden, schälen usw. wäre das natürlich sehr schön. Die Kinder sind nicht begrenzt auf die kleine Stellfläche des Lernturms. Müssen nicht ständig hinabsteigen, wenn sie etwas aus Schränken holen müssen oder etwas mehr Arbeitsfläche benötigen. Wer den Platz in der Küche also hat, der sollte dem Kind diese Möglichkeit gerne bieten. Wir sehen schließlich selbst wieviel wir uns in der eigenen Küche bewegen und hin. und herlaufen. Leider kenne ich selbst viele Küchen, die diesen Platz nicht bieten. Der Lernturm bietet daher die Lösung, dass die Kinder trotzdem mithelfen können und sie wissen sich damit auch zu helfen und beginnen schon früh den Turm überall dahin zu schieben, wo sie ihn benötigen. Es dauert eben alles etwas länger und diese Geduld müssen dann auch wir Eltern aufbringen.

Lernturm ist in vielen Bereichen einsetzbar

Der Turm wird ohnehin gerne von den Kindern auch außerhalb der Küche genutzt. Lichtschalter können damit aus- und eingeschaltet werden und durch die gewonnene Höhe können plötzlich Dinge erreicht werden, die bisher nicht erreichbar waren. Das bedeutet natürlich auch für uns Eltern wieder ein Umdenken und vielleicht Umräumen, um hier den Kindern die Freiheit zu lassen und sie nicht durch Verbote zu hemmen. Neben den vielen positiven Rückmeldungen ist das nämlich einer der häufigsten Kritikpunkte des Lernturmes: die deutlich erhöhte Reichweite der Kinder. Hier gilt es nach Montessori, die Umgebung dem Kinde anzupassen und Konfliktpotential, wo immer möglich, zu reduzieren. 

Nun habe ich versucht einige Blickrichtungen auf den Lernturm zu beleuchten und am Ende muss ich natürlich sagen, es wird immer Familien mit positiven und negativen Erfahrungen geben, Befürworter und auch Kritiker, doch schlußendlich müsst ihr euch als Familie entscheiden und wohlfühlen. Es muss aber auch den Bedürfnissen der Kinder angepasst sein. Unsere Kinder müssen mit den Hilfen, die wir ihnen bieten, wachsen und zum "Meister ihrer Selbst" werden können, wie es Maria Montessori, beschreibt. Hilfen, sollen nicht behindern und nicht demotivieren. Sie müssen vielleicht auch immer wieder angepasst werden, mit der Entwicklung und den Fähigkeiten unserer Kinder, um ihnen damit eine Umgebung zu geben, die sie in ihrem Lernwillen unterstützt. Ein Lernturm kann daher für eine gewisse Zeit eine sinnvolle Hilfestellung sein, die uns und unsere Kinder ein kleines Stück Weg begleitet.

Das Kind weiß nicht, wie es sich diese Umgebung selbst schaffen soll. Nur der Erwachsene kann es tun, und das ist die einzige tatsächliche Hilfe, die man dem Kind geben kann.

- Maria Montessori -


Mittwoch, 8. Februar 2017

Harte Zeiten? Siehst du noch das Positive?

Die Tochter ist nun 13 Monate alt und vor einiger Zeit habe ich schon einmal über "Babyglück oder doch nicht?" geschrieben. Die Resonanz war hoch, verdammt hoch! Erschreckend hoch, sogar? Jedenfalls geht es vielen Müttern recht ähnlich. Wir fragen uns dabei oft, übertreiben wir? Jammern wir zu viel? Ist das alles eigentlich ganz normal? Müssen wir uns mehr auf das einlassen, was eben ist? Was nicht änderbar ist?
Susanne von Geborgen Wachsen schrieb vor Kurzem einen sehr passenden Artikel zu diesem Thema. "Wenn alles nur noch blöd ist..." lautet der Titel und irgendwie hätte schon alleine dieser einleitende Titelsatz von mir sein können... ja, irgendwie ist alles nur noch blöd... und es folgt eben nicht auf Anstrengung, auch wieder Entspannung, wie Susanne ebenfalls schreibt. Seit 13 Monaten nun... es gibt hier keine Phase, es ist einfach immer und ständig... und ich fühl mich mittlerweile sehr, sehr müde... nur noch müde und oft kraftlos.

"Nicht das Kinderhaben macht uns krank. Die Rahmenbedingungen sind es, die nicht stimmen. Selbst dann, wenn wir Kinder mit besonders starken Bedürfnissen haben, sind nicht sie Schuld an unserem Unbehagen, sondern das fehlende Netz. Wenn alles nur noch blöd ist, liegt das nicht an ihnen. Elternschaft ist schön. Das Leben mit Kindern ist auch mal anstrengend, aber nicht immer. Elternschaft ist nichts, wo man eben durch muss. Kein dunkler Tunnel, kein angsteinflößender Lebensabschnitt. Elternschaft ist bunt und sollte es bleiben und dafür sollten wir uns für uns und andere einsetzen."

Susanne hat schon recht mit ihren Worten. Es fehlt an einem Netz. Wobei ich hier wirklich schon viel Unterstützung durch meine Eltern, allen voran meiner Mama und auch dem Mann habe. Aber so ein Tag kann sehr lang werden, gerade mit einem Kind, welches sehr starke Bedürfnisse hat. Und es ist auch nicht jeden Tag jemand da, der einen/mich unterstützen könnte, damit ich wichtige Pausen zum Auftanken bekommen würde. Mittags hinlegen, bedeutet nicht Kraft tanken, sondern vielleicht gerade mal den sowieso leeren Tank wieder soweit aufzufüllen, um bis Abends durchhalten zu können. Ich laufe schon seit einer Weile irgendwie auf Reserve und dabei habe ich etwas festgestellt.
Ich habe festgestellt, dass ich nicht mehr Positive denke. Nicht mehr Positiv spreche. Ich bin nörgelig und dauergenervt. Ich sehe nur noch das Negative. Ich, diejenige, die es nie gut fand, wenn andere Eltern negativ über ihre Kinder sprechen... denn negatives Sprechen, festigt sich, prägt sich ein. Und ist denn wirklich alles Negativ? Gibt es nicht irgendwo in diesen harten Zeiten auch etwas Positives? Besteht meine Tochter nur aus starken Bedürfnissen? Sehe ich nicht das Positive? Das Wundervolle? Nein, natürlich nicht!

Meine Tochter kann so wundervoll lachen und so viele wunderschöne und witzige Töne von sich geben. Wenn sich ihre kleinen Lippen formen und sie vor sich hin tönt, müssen wir alle grinsen. Sie kann ihr Köpfchen so wunderbar zur Seite neigen und dich dabei ganz verschmitzt ansehen. Oder gleichzeitig den Kopf schütteln und auf zuckersüße Art und Weise zeigen, dass sie etwas nicht möchte, wenn wir ihr eine Frage gestellt haben. Manchmal kneift sie dann auch die Augen zusammen und lächelt dabei. Das wirkt so höflich und alle sind verzückt.
Beim Essen möchte sie ein kleines Küchentuch neben sich haben, als Serviette. Wenn ihre Hände dreckig sind, will sie diese abwischen können. Trinken will sie allerdings selten alleine. Hat sie Durst, hält sie uns ihr Trinken entgegen und wir sollen es halten. Dabei gibt es auch eine Reihenfolge. In der Regel soll immer ich ihr das Trinken reichen. Will es jemand anderes tun, bekommt er es wieder abgenommen und sie fixiert mich und ist ganz entrüstet.
Sie liebt Reis. Der Sohn hat es gehasst, weil Reis so klein ist und man nichts in den Magen bekommt. Die Tochter schaufelt ihn einfach händchenweise in sich hinein, irgendwie klappt das schon. Reis ist einfach toll. Und dann findet sie noch Bananen und Mandarinen einfach großartig. Absolutes Lieblingsobst jetzt im Winter. Am besten ist es immer, wenn man ihr beide Obstsorten hinhält und sie selbst wählen kann. Dieses Strahlen von einer Wange zur anderen Wange ist unbezahlbar. Aber wehe, man schält die Mandarine nicht schnell genug. Geduld ist jedenfalls nicht die Stärke meiner Tochter. Woher sie das nur hat?

Sie hält sich nicht lange mit Spielzeug oder Spielideen auf, die ich ihr anbiete. Entweder sie straft sie ohnehin mit Nichtbeachtung oder sie probiert kurz und wenn es dann funktioniert, ist es für sie beendet. Alleine beschäftigt sie sich kaum, mit nichts... dafür liebt sie Musik. Sie schaltet gerne den CD-Player des Bruders an und wippt im Takt mit. Dieser wackelnde Windelpopo, die Ärmchen die dabei nach oben gehen. Sie wird von Musik, von Melodien, magisch angezogen. Es wirkt als könnte sie sich dagegen kaum wehren, ihr Körper wippt einfach automatisch mit. Daher hat sie auch zwei Lieblingsbücher. Beide drehen sich um Musik, beide spielen Melodien und Musikinstrumente auf Knopfdruck ab. Das sind die Bücher, die sie immer und immer wieder hervorholt und uns reicht.

Sie kann ein echter kleiner Clown sein. Sie steckt sich Essen nur halb in den Mund oder die Zahnbürste verkehrt herum hinein und schaut uns an, mit einem Schalk in den Augen... unglaublich. Ich kann das immer kaum glauben. Sie ist 13 Monate, woher weiß sie, dass das witzig aussehen könnte? Natürlich sieht sie unsere Reaktionen darauf. Ohnehin beobachtet sie so genau und detailiert, sie merkt sich wahnsinnig viel und schnell und würde es gerne direkt nachmachen. 

Sie liebt es zu kuscheln. Klar, sie hängt sowieso den ganzen Tag an oder auf mir und es wirkt als wären wir mit einer sehr kurzen Schnur verbunden, die ständig auf Spannung steht. Sie sucht Nähe, sehr sogar und lehnt immer wieder gerne den Kopf an mich oder den Papa oder auch der Oma. Wenn wir Küsschen verteilen, lehnte sie Anfangs komplett ab. Sie drehte den Kopf weg. Irgendwann begann sie dann den Kopf zu neigen und uns die Stirn zu zeigen. Da sollten wir sie küssen und so ist es immer noch. Es wirkt wie eine kleine Eminenz, die uns erlaubt sie zu küssen. Ich sehr beeindruckt, wie sehr sie ihren Willen und Wünsche schon zeigen kann.

Gleiches gilt auch für unsere Elimination Communication... Ich hatte mir fest vorgenommen, bei der Tochter "Windelfrei" versuchen zu wollen und ich denke wir sind ein ganz gutes Team. Stuhl landet so gut wie immer im Töpfchen und nach dem Schlafen das Pipi ebenso. Auch zwischendurch klappt es ganz gut, so dass es schon manche Tage gab, an denen ich nur eine einzige Windel benötigte. Einfach als Backup. Ich bin da schon echt etwas stolz auf uns Beide, dass wir das so gut zusammen hinbekommen und es doch ganz locker dabei angehen. Es klappt oder klappt eben nicht. Aber ich sehe auch immer wieder, wie stolz und glücklich die Tochter ist, wenn nichts in die Windel ging. 

Sie liebt ihren Bruder so sehr! Morgens strahlt sie, wenn sie ihn zum ersten Mal sieht und sie würde so gerne immer bei ihm sein. Aber noch sind die Interessen zu unterschiedlich und sie würde die Bauwerke ihres Bruders zerstören. Also sucht er oft auch Ruhe vor ihr. Wenn beide zusammen kuscheln, geht mein Herz auf und ich hoffe einfach, dass diese Harmonie zwischen den Beiden immer bleiben wird. 

Wenn ich nun all das hier lese, sehe ich, wieviel Positives dieses kleine Menschlein mir gebracht. Wie wundervoll sie ist und einmalig. Es ist gut und tut gut, all diese vielen wundervollen Facetten von ihr niedergeschrieben zu haben. Manchmal ist es nötig, etwas vor sich zu sehen, schwarz auf weiß, um sich bewusst zu werden, es ist nicht alles Negatives. Es sind nicht nur harte Zeiten. Es ist nicht nur erschöpfend und anstrengend. 
Es hilft natürlich nicht gegen die Müdigkeit, gegen das Gefühl der Kraftlosigkeit. Aber wie ich oben schon geschrieben habe, wie wir uns fühlen, wie wir denken, das ist Einstellungssache. Denke ich negativ, dann fühle ich mich auch nicht gut. Dann wird die dunkle und durchwachte Nacht noch dunkler und dann wird der sich endlos ziehende und anstrengende Tag noch endloser und anstrengender werden.

Immer wieder das Positive zu sehen, das Wundervolle. Mein Kind. Wie es ist! Einmalig! Einzigartig! Strahlend! Witzig! Lustig! Eben, einfach meine kleine Tochter! Dieser Beitrag, der ist für mich! Für mich ganz alleine! Um zu erkennen, um alles zu sehen. Nicht nur das Negative.

Schau! Schau tiefer, schau genauer hin! Es ist nicht nur anstregend, nicht nur hart! Sie in die Augen deiner Tochter! Sehe das Lachen! Sehe das Positive!


Mittwoch, 11. Januar 2017

Basteln, Experimentieren und Lernen mit Schnee - 5 Ideen!


Endlich kommt er, der Schnee! Ich weiß noch wie ich mich als Kind immer darauf gefreut habe. Ich liebte die geschlossene Schneedecke. Wenn der Schnee noch völlig unberührt war. Ich traute mich kaum, dieses Bild zu zerstören. Das lautlose Fallen des Schnees, wenn jedes Geräusch irgendwie gedämpft wirkte. Das Knirschen des Schnees unter den Schuhen. Schneemänner bauen und Schneekugeln, die immer mehr vereisten, je länger die Kälte andauerte. Ich baute Höhlen hinein und spielte mit Pinguinfiguren darin.

Als Erwachsener ist das Verhältnis zu Schnee oft gespalten. So schön Schnee auch ist, dieser muss von der Straße geräumt werden, man muss vielleicht im Schneegestöber und Glatteis zur Arbeit kommen und wir sind diejenigen, die unseren kleinen Kindern in ihre Winterkluft hineinhelfen müssen und wieder hinaus und das kann wirklich schweißtreibend sein, wenn man selbst schon dick angezogen ist.

An diesem Wochenende hat es geschneit und nach einem ausgiebigen Schneespaziergang mummelten wir uns Zuhause ein. Damit solch ein kalter Winterttag Zuhause nicht zu lange wird, kann man den Schnee vielleicht auch einfach mal zum Thema machen:

"Wieso streut der Papa Salz auf den Gehweg?" fragte der Sohn und schon starteten wir ein kleines Experiment. Ich füllte zwei Gläser bis an den Rand voll mit Schnee. Und zeigte diese dem Sohn. Eines stellten wir zur Seite und eines durfte der Sohn nun mit Salz bestreuen.Was stellten wir dabei fest? Der Schnee schmolz viel schneller als im anderen Glas, es entstand dabei viel schneller Flüssigkeit, im anderen rutschte der Schnee erst einmal nur zusammen. Das Glas mit dem Salz-Schnee-Gemisch fühlte sich kälter an. Und was blieb denn da am Ende wirklich noch an Wasser im Glas übrig, was zu Anfang bis zum Rand mit Schnee gefüllt war? Das sind wirklich viele interessante Entdeckungen und Fragen, die sich aus zwei Gläser voll mit Schnee, entwickeln und beantwortet werden wollen.

Nachdem nun alles geschmolzen war, war der Sohn etwas traurig. Das hatte ihm gerade richtig viel Spaß gemacht. Also überlegte ich mir noch etwas. Ich nahm mir eine kleine Schüssel und füllte auch dort wieder Schnee hinein und presste ihn richtig fest. Danach stülpte ich die Schüssel in eine Auflaufform und es entstand eine wundervolle Schneekuppel. Nun sagte ich dem Sohn er soll sich seine Wassermalfarben schnappen und loslegen. Das ließ er sich nicht zweimal sagen und malte drauf los. Er stellte sofort fest, dass die Wasserfarben mehr verliefen als auf Papier und nachdem er die Kuppel bemalte hatte, schnitten wir diese auf und so konnten wir sehen, wie weit die Farbe eingedrungen ist. Ich erklärte, dass Schnee ganz locker ist und viele Lufteinschlüsse enthält, wodurch die Farbe, wie durch viele kleine Poren und Löcher in die Kuppel gelangen konnte. Der Sohn malte also weiter und schnitt die Stücke weiter ein. Später brachte ich ihm noch Pipetten, mit denen er die Wasserfarben auftropfte.

Die vielen Lufteinschlüsse im Schnee entstehen durch die einzelnen Schneeflocken, die hier zusammen kommen. Jede Schneeflocke ist einzigartig. Ist das nicht faszinierend? Und jede Schneeflocke entsteht durch kleinste Schneekristalle, die eben durch die immer anderen Wetterbedingungen, verschieden wachsen. Dies fand Mr.Bentley heraus und machte davon sogar Aufnahmen unter dem Mikroskop.
Dazu habe ich ein ganz wundervolles Zuordnungsspiel im Netz gefunden und nachgebastelt. Ich sammelte mikroskopische Aufnahmen aus dem Internet und bildete Paare. Diese konnte der Sohn durch das Verwenden der Lupe zusammenfügen. Für euch habe ich dieses kleine Spiel als Download zusammen gestellt. Und was ich wirklich ganz witzig finde: Manu von der Wunderwerkstatt hatte die gleiche Idee und bastelte dieses Spiel ebenfalls für ihre Wunderpost, welche die nächsten Tage per Mail verteilt wird. Es ist ähnlich und doch wieder ganz anders und individuell geworden. Wundervoll! Ihr solltet euch unbedingt dort anmelden. Jeden Monat verschickt Manu ganz tolle Spielideen an euch. Durch Manu habe ich übrigens den tollen Eckenknipser kennen gelernt. Jetzt sehen meine Karten wirklich sehr schick aus, oder?



Wir haben also gelernt das jede Schneeflocke einzigartig ist. Wieso also nicht nachbauen? Dafür gibt es auf Pinterest ganz viele wundervolle Ideen und sehr gut haben mir hier auch die Bügelperlen -Schneeflocken gefallen. Welche wir dann auch auf passenden Stiftplatten nachgebastelt haben. Ganz toll findet der Sohn dabei das Bügeln. Er hat ein kleines Bügelbrett und auch ein kleines echtes Reise-Bügeleisen . Wenn wir genug zusammen haben, kann ich sie mir ganz wundervoll als Fensterbilder, an einem Ast hängend als Winterdeko, vorstellen.

Der Sohn bastelt wirklich sehr gerne. Mittlerweile hat er einen Schreibtisch in seinem Zimmer, welches er "sein Büro" nennt. Dort zieht er sich gerne zurück und verwendet viele verschiedene Materialien zum Malen, Kleben und Basteln. Als Idee habe ich nun Materialien für eine "Verschneite Nacht" bereitgelegt. Da er gerade mit dem Flüssigkleber gerne arbeitet passt es sehr gut. Die Wattebälle ergeben die dicken schneegefüllten Wolken und die Schneeflocken werden mit einem passenden Motivlocher ausgestanzt und mit dem Kleber auf das schwarze Tonpapier aufgeklebt. das ergibt ein schönes Bild und basteln ist einfach wunderbar für die feinmotorische Entwicklung.

So vergeht neben Schnee-Spaziergängen, Schneemännern, leckeren warmen Waffeln und Kuschelstunden ein Winter-Wochenende wie im Flug.

Nachtrag: Wie abgesprochen, hat heute auch Wheelymum einen tollen Beitrag zum Experimentieren mit Schnee und Eis verbloggt. Da solltet ihr auch mal vorbeischauen.


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Sonntag, 8. Januar 2017

Hilf mir, es selbst zu tun.... und wenn mein Kind nicht will?

Schon in der Schwangerschaft mit dem Sohn wusste ich, ich will meinem Kind wenig Hindernisse in den Weg stellen. Und das meine ich im wirklich, wie auch im übertragenen, Sinne. Keine Gitter, wo sie nicht wirklich zwingend nötig sind, vermeidbare Situationen, die immer wieder zu Diskussionen führen würden, die das Kind garnicht verstehen kann. Keine Neins, die nicht wirklich sein müssen.

Ich wollte meinem Kind so viel Raum wie möglich geben, um sich selbst entfalten und entwickeln zu können. Als der Sohn dann schon auf der Welt war, entdeckte ich die Lehren von Maria Montessori und damit wohl auch ihr berühmtestes Zitat, welches so ziemlich jeder mit ihr in Verbindung bringt:

Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen.

Ich vertiefte mich seit dem in viele Texte von Maria Montessori, stellte fest, dass ich einiges schon ganz intuitiv übernommen habe und baute dies weiter, mit den Möglichkeiten, die ich habe, aus. Die Neugierde meines Sohnes, der Tatendrang und die Schaffenskraft, ebenso die unkomplizierte Beziehung zwischen uns Beiden, zeigte mir, ich lag damit richtig.
Ich bewunderte in vielen Blogs und Gruppen, was Kinder schon alles können, wenn ihnen die Gelegenheit und der Raum dafür gegeben wird. Es war einfach augenöffnend! Und doch gab und gibt es bei uns Dinge, bei denen ich mich von Beginn an schon fragte, wieso klappt das nicht? Wieso will der Sohn das nicht alleine machen? Ist es nicht der tiefste innere Wunsch unserer Kinder, erwachsen zu werden, selbstständig zu sein, alleine handeln und denken zu können?

Auch Jesper Juul bestätigte das in seinen Texten und hielt dazu fest:

Die beste Faustregel ist die, dass man niemals etwas für das Kind tut, was dieses auch alleine tun kann.

Was ist aber, wenn das Kind es erst garnicht tun will? Der Sohn zeigte lange, lange Zeit garkeine Interesse daran sich selbst An- oder Ausziehen zu wollen. Das ging schon als Baby los. Wo andere Kinder ständig ihre Socken auszogen, wieder und wieder und davon ganz angetan waren, ließ er alle Socken genau da, wo sie hinsollten, nämlich am Fuß. Beim Ausziehen oder Anziehen mitzuhelfen, das tat er irgendwann, aber selbst? Das er es eigentlich alleine konnte bzw. kann, stellte ich immer zufällig fest. Wenn er ganz schnell in die Badewanne wollte oder die Dusche, plötzlich war die Hose aus, die Socken usw..... oder wenn ich gerade mit etwas beschäftigt war und nebenbei erwähnte, er könnte sich schon anziehen, damit wir dann auch schnell rauskönnen auf den Spielplatz, da zog er sich an. Es waren immer Momente in denen ich garnicht damit rechnete, die mir zeigten "Aha, da kann mein Kind doch mehr, als er eigentlich zugibt!" Denn grundsätzlich hörte ich immer "Ich kann das nicht!"

Gleiches kann ich auch auf viele weitere alltägliche Situationen übertragen. Wir sollen mit ihm zur Toilette gehen. Ihm die Hände waschen. Die Zähne putzen. Ihn die Treppe hochtragen. Und Laufen ist grundsätzlich doof, langweilig und am Besten ist es doch wenn er getragen werden würde. Der Sohn wäre mit 4 Jahren, eines dieser Kinder, dass sich immer noch gerne im Kinderwagen schieben lassen würde.

Ich war wirklich überfragt. Wieso will mein Kind, das alles nicht alleine machen? Ich hab ihm doch nie die Möglichkeiten verwehrt, es selbst zu tun. Oft liest man schließlich, würde man seinem Kind alles abnehmen, ihnen dabei vielleicht sogar vermitteln, sie können das schließlich noch nicht, dass diese Kinder es eben irgendwann einfach sein lassen. Tja, und nun? Irgendwann war ich auch genervt. Ich kam mir manchmal wie ein kleiner Haussklave vor, der dem Sohn in allen Belangen zu Diensten sein sollte. Das kann doch nicht sein?

Schließlich las ich einen Artikel auf einem meiner absoluten Lieblings-Elternratgeber-Seiten: "Das gewünschteste Wunschkind" schrieb über Aufmerksamkeit und über die "Die fünf Arten von Liebe bzw. Aufmerksamkeit" und da war die Lösung. Plötzlich viel mir alles wie Schuppen von den Augen und alle Puzzleteile ergaben endlich ein Bild. Mein Sohn füllte seinen Liebes- und Aufmerksamkeitstank dadurch, dass er bei so vielen Dingen, wie möglich um Hilfe bat. Und zwar eben NICHT, weil er es nicht konnte, sondern weil er weiß, in diesem Moment, in dieser Situation, sind wir ganz für ihn alleine da. Er bekommt dabei nicht nur die völlige Aufmerksamkeit, sondern auch direkt Nähe und vielleicht die eine oder andere zuätzliche Kuscheleinheit. Und mir taten plötzlich all die Situationen leid, in denen ich so genervt war, wenn mich mein Sohn schon wieder für eine Kleinigkeit um Hilfe bat:

Leider haben es Kinder in der Regel schwer, wenn sie vom Hilfe-Aufmerksamkeitstyp sind, weil in unserer Gesellschaft schnelle Unabhängigkeit ein sehr befördertes Erziehungsziel ist. Kinder sollen schnell allein einschlafen, schnell selber essen, sich schnell selber anziehen... Eltern und Erzieher fördern und fordern das stark. Daher hören Kinder immer wieder: "Mach das bitte selbst". Wenn Du also ein Kind hast, das gerne Hilfe bekommt, dann sieh Deine Hilfe einfach als Kraftstoff für den Liebestank. Ja - Dein Kind könnte, wenn es wollte, es will sich aber viel lieber Deiner Liebe versichern.
  
Und auch in ihrem Buch "Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen " (UNBEDINGT lesen!!! Da steht noch viel mehr zu diesem Thema!) schreiben Danielle und Katja darüber:
  
Denn der Mensch ist darauf ausgerichtet, sich weiterzuentwickeln und nach Selbstständigkeit zu streben - kein Kind möchte in der Baby- oder Kleinkindphase verharren. Alle stillen sich irgendwann ab, schlafen irgendwann im eigenen Bett und ziehen sich irgendwann auch selbstständig an. 
Wenn wir unseren Kindern morgens beim Anziehen helfen, dann lassen wir sie damit noch ein bisschen Körperkontakt und Liebe tanken und zeigen ihnen, wie freundliches Miteinander funktioniert. Nämlich nicht mit Druck und Drohungen, sondern indem man selbst mit anpackt, um das gemeinsame "projekt" zum Gelingen zu bringen. Wir leben Kooperation vor.

Damit schliesst sich wieder der Kreis zu den Lehren von Maria Montessori. Zu dem Streben jedes Kindes, erwachsen zu werden. Und auch meine Beobachtungen, die ich selbst gemacht habe, dass der Sohn vieles schon lange konnte bis ich es mal durch Zufall wahrnehmen durfte. Was ich aber auch feststellen konnte und das ist das, was Danielle und Katja in ihrem Artikel auch beschreiben, ist dass viele von uns meist Mischtypen bezüglich des Aufmerksamkeits- und Liebestanks sind. Auch dem Sohn gelingt es mehr "alleine zu tun", wenn sein Tank bis an die Decke gefüllt ist. Füllen kann ich diesen natürlich durch viel ungeteilte Aufmerksamkeit beim Spielen, Kuscheln, Vorlesen usw. Aber wie sicherlich jeder von uns weiß, nicht immer ist das im Alltag so machbar. An manchen Tagen geht dies einfach unter. Die Zeit dafür ist knapp. Und so kann es passieren, dass der Sohn am Tagesanfang noch so ziemlich alles alleine macht und gegen Ende des Tages, sicherlich auch geschuldet durch Müdigkeit und auch den vielleicht geleerten Aufmerksamkeitstank, plötzlich wieder bei jeder Kleinigkeit Hilfe benötigt. Auch sehr auffällig ist dies, wenn der Papa endlich nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt, denn von diesem hat der Sohn an dem Tag bisher noch keine Aufmerksamkeit bekommen. Hier kann es nun immer etwas kritisch werden. Der Sohn will Aufmerksamkeit, der Papa will vielleicht erst mal runter kommen... ihr versteht?
Der Mann und ich erinnern uns in vielen solcher Situationen oft auch gegenseitig an den Liebestank. Wenn die Tochter den ganzen Tag an mir hing und mich voll forderte, muss ich schon sehr tief Luft holen, wenn mein Sohn dann noch plötzlich nichts mehr alleine kann... dann flüstert mir der Mann zu "Denk dran, er braucht dich. Das ist seine Art um Liebe zu bekommen." Puh! Ja, ich weiß und trotzdem ist es schwierig. Denn genau wie oben steht, dieser Hilfe-Aufmerksamkeits-Typ hat es in unserer schnelllebigen Gesellschaft wirklich nicht immer leicht, gerade wenn man doch weiß, der Gegenüber kann das doch eigentlich, oder?

Aber, wie wäre es... wenn ich spätabends schwer und müde auf der Couch liege und mir die Augen zufallen... wie oft habe ich da im Scherz schon zu meinem Mann gesagt "Trag mich hoch!" oder wie war es vorgestern: Nachdem die Tochter endlich schlief und ich mich auf die Couch plumsen ließ, bat ich den Mann darum mir doch bitte einen warmen Kakao zu machen.... hätte ich auch alleine machen könnnen, natürlich, aber ist es nicht so schön, umsorgt zu werden? Eine Art Liebesbeweis?

Ja, ich kann den Sohn sehr gut verstehen und so fällt es mir nun doch viel leichter, ihm die Hilfen zu geben, nach denen er verlangt und wenn es mir nicht möglich ist, wie ich dann mit seinem Frust umgehen kann. 

"Hilf mir, es selbst zu tun" ist ein wichtiger Leitsatz und ich werde auch weiterhin nicht uneingefordert Hilfe anbieten. Mit den jetzigen Erkenntnissen, werde ich aber auch nicht denken müssen, ich nehme meinem Kind zuviel ab. Ich muss nicht darüber nachdenken, ob ich mich falsch verhalte, wenn ich nachgebe, bei Dingen, die er alleine könnte. Ich muss einfach nur wissen, mein Kind braucht mich jetzt, um Liebe zu tanken , um sich geliebt zu fühlen. Sonst nichts und das ist so viel und so wichtig.

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Mittwoch, 4. Januar 2017

Die tierisch kunterbunte Geburtstagsparty



Und nun war es schon soweit. Die Tochter wurde 1 Jahr alt und eigentlich kommt es mir gerade so vor, als wäre sie doch erst geboren worden. So schnell ging dieses Jahr rum, mit all seinen Höhen und Tiefen und den vielen Grenzerfahrungen mit meiner Tochter.

Da ich mit dem Sohn nun schon in den Themengeburtstagen angekommen bin, überlegte ich mir auch, ob ich ein passendes Motto für die Tochter finden würde. Ihr war es schließlich noch egal. Ich dachte daher, hauptsache bunt. Und durchsuchte mal wieder Pinterest und wurde fündig.

Eine kunterbunte und tierische Geburtstagsparty sollte es werden. Und da wir dafür genügend Schleichtiere besitzen, bot es sich einfach an!

Aus Tonpapier bastelte ich Partyhütchen (Printable hab ich von hier), die ich mit Flüssigkleber zusammenklebte. Oben auf setzte ich kleine Bommel und dann klebte ich die Hütchen mit etwas Heißkleber an die Köpfe der Schleichtiere fest. Zuvor habe ich bei einem Tier getestet, ob sich der Heißkleber auch wieder rückstandslos entfernen lässt. Perfekt!

Für die Raumdeko habe ich viele Wabenbälle , Lampions und Pompons in bunten Farben verwendet und an die Deko gehängt. Das fängt Kinderaugen und die Tochter hat richtig gestaunt. Eigentlich habe ich noch ganz tolles Seidenpapier - Konfetti gefunden, welches sicherlich super auf den Tischen ausgesehen hätte, leider kam es durch die Feiertage bedingt, aber nicht mehr rechtzeitig an.



Für die Dekoration des Geburtstagskuchens habe ich Filzkugeln auf Holzspieße gesteckt und verschieden hoch angeordnet. Dann hab ich einige Figuren darauf drapiert und dem Bären noch eine Geburstags-Eins in die Pfote gedrückt. Fertig war der Geburtstagskuchen. Dieser war übrigens zuckerfrei, also ohne Hinzugabe von zusätzlichem Zucker. Der Kuchen bekam seine Süße durch sehr reife Bananen und zuckerfreiem Apfelmus.
Wir haben das Kuchenrezeptmenge erhöht und 1/3 mehr hinzugefügt. Leider wurde uns der Kuchen bei einer 26cm Springform immer noch zu dünn. Daher haben wir den Kuchen ein zweites Mal gebacken und beide Böden mit Apfelmus verbunden. Und dann mit dem Frischkäse-Frosting überzogen.


Die Tochter war hellauf begeistert von dem Kuchen und auch dem Frosting. Er wird wirklich süß und mir hat er ebenso geschmeckt. Man muss halt Banane im Kuchen mögen und das die Konsistenz etwas knatschiger ist. Sowas mag ich persönlich ja sehr gerne.



Wir haben aufgrund des Silvester-Geburtstages nur zu Kaffee und Kuchen geladen, so dass jeder danach noch ausreichend Zeit hatte, sich für seine Abendveranstaltungen fertig zu machen. Es war also sehr gemütlich und kurzweilig. Für die Kinder habe ich passenderweise noch Tischfeuerwerk und Bleigießen besorgt. Das fanden auch die Erwachsenen toll. Und so gingen die Stunden schnell vorbei. Die Gäste verabschiedeten sich und wir konnten uns selbst auf den Silvesterabend vorbereiten, welcher, seit dem letzten Jahr, durch einen kleinen Schnellstarter, für uns immer mit ganz besonderen Erinnerungen verbunden sein wird. ♥


















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